Gestern war morgen noch ganz anders.

Er hat es wieder einmal in die Schlagzeilen geschafft. Obwohl der Tod schon vorher da war. In diesen Tagen, taugt er zur Panikmache. Und er spaltet die Geister. Da gibt es doch tatsächlich so Schlaumeier, die denken, wenn sie sich eine Maske vor den Mund binden, dann erwischt es sie nicht. Weit gefeit. Er kennt diese Tricks und noch viele mehr. Leider, blöd.

Aber Schiss haben wohl viele, denn wie sonst erklärt sich der „Klopapierhamsterkauf“.

Augenblicklich verändert sich unser Leben und unsere Wahrnehmung. Der Virus hat uns fest im Griff und so recht weiß keiner, wie es noch werden wird.

Auf der Palliativstation wurde der Einsatz der Hospizhelfer bis auf Weiteres abgebrochen. Die Pflegekräfte, Helfer und Ärzte müssen nun auch diese Aufgaben übernehmen, um den palliativen Gedanken einigermaßen aufrecht erhalten zu können.

Heute hätte ich meine neue Begleitung besucht, die Familie unterstützen können. Abgesagt. Je nachdem wie lange der Virus noch wütet, werde ich vielleicht nichts mehr für ihn tun können. Er wird sicher sterben, ob infiziert oder nicht, aber beschleunigen möchte ich es mit einer unachtsamen Haltung auch nicht. Irgendwie schon schräg. Ich besuche den Sterbenden nicht, damit ich keinen Virus überbringe, an dem er schneller sterben könnte. Es tut mir wirklich für ihn, und seine Familie sehr leid. Nun sind sie ganz auf sich gestellt und bekommen von Außen nur noch die nötigste Hilfe. Wie so viele Kranke und alte Menschen in dieser schwierigen Zeit.

Was ich aber tun kann, ist telefonieren. Mit Herrn Berger, meiner neuen Begleitung, oder aber auch mit Freunden. Bekannte, die ich länger schon nicht mehr gehört habe. Vielleicht nutze ich die Zeit zu Hause für längere Telefonate. Aufgrund der aktuellen Lage, müssten meine Gesprächspartner wiederum ebenso mehr Zeit zum Plaudern haben.

Da fällt mir eine liebe Dame ein, die ich einige Male im Hospiz besucht habe. Sie war schon sehr alt und konnte sich kaum noch bewegen. Trotzdem haderte sie nicht, sondern passte sich den Gegebenheiten an. „Es ist doch schön, wenn ich alt bin, dann bin ich ja auch später tot. Kein Nachteil woraus nicht ein Vorteil!“

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Kluge Sprüche ?

„Man stirbt wie man lebt.“ Aber wie lebt man denn richtig, damit man richtig stirbt?

Das Zitat von Ludwig Marcuse spaltete schon mehrmals die Geister, denn das würde bedeuten, ein Mensch, der vorbildlich lebt, sittsam und anständig ist, stirbt leichter. Hingegen hätten Verbrecher, Mörder und Vergewaltiger dann einen elenden Leidensweg und schmerzvolles Sterben.

Stimmt das denn?

Aus meiner Wahrnehmung heraus kann ich sagen, dass das nicht zuverlässig passiert. Ich denke, wer übermäßig schlecht mit seinem Körper umgeht, viel raucht, trinkt und sich auch sonst einen Dreck darum schert, was ungesund ist, der erliegt meist den Spätfolgen. Das ist dann nicht die erwartete Strafe für Fehlverhalten, sondern die logische Konsequenz eines radikalen Lebensstils.

Wer trotz allem 99 Jahre alt wird, der hat einfach Glück gehabt.

Umgekehrt ist es natürlich das Gleiche. Eine Garantie für ein langes gesundes Leben bekommt keiner von uns, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen und unseren Körper gut pflegen. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch größer, dass ein gesunder Lebensstil auch ein gutes, gesundes Alter nach sich zieht.

Das Zitat ist meiner Meinung nach dann richtig, wenn ich es auf meine Begegnungen mit Schwerstkranken anwende. Im Sterben spiegelt sich oft wieder, wie das Leben genutzt wurde. Wie wurden soziale Kontakte und Freunde gepflegt? Wer ist seit vielen Jahren treuer Weggefährte? Behandle ich mein Umfeld gut?

Wenn da nur ein „Herr Purzel“ zur Seite steht, wird es vermutlich eng mit einer guten Sterbebegleitung. Tolle Einträge und Kommentare auf der Facebookseite sind da ebenso wenig hilfreich wie das regelmäßige Posten von Selfies. Voraussichtlich werden keine Daumen–hoch–Freunde an der Krankenhauspforte klingeln, um Sie zu besuchen. Nichts gegen soziale Netzwerke, aber viele vergessen darüber gerne mal das richtige Leben und wundern sich dann, wenn es nur bei den oberflächlichen Whats–App– Genesungswünschen bleibt.

Ein Bekannter von mir hat tatsächlich ein Bild von sich im Klinikbett hochgeladen und im Internet verewigt. Es kamen auch sehr viele und gutgemeinte Wünsche übers Netz. Besucht hat ihn keiner.

Also meine Lieben, weg vom PC und rein ins Leben. Denn vermutlich haben wir nur das eine..

Sterbebegleitung mit 3-D Fernseher?

Master in Todeswissenschaft? Ja, das gibt es tatsächlich bald an der Uni in Regensburg. Die Ausbildung reflektiert unter anderem, den eigenen Umgang mit dem Thema Tod und Sterben. Wie verhalte ich mich, wenn unangenehme Fragen kommen und was kann ich von Hospizhelfern und Trauerbegleitern lernen? Klasse Sache, finde ich, denn Hospizhelfer besitzen keineswegs nur die Lizenz zum Händchenhalten.

Was lernt man denn da?

In der Ausbildung lernen wir Gesprächsführung am Krankenbett, professionelle Distanz, Begleiten statt Führen, Umgang mit Konfliktsituationen um nur einige weinge Punkte des Aufbauseminars zu nennen.

Es ist gut, so ein „Handwerkszeug“ mit auf den Weg in die Begleitungen zu bekommen, aber es kann auch ganz anders kommen…

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Bei einer meiner ersten Begleitungen wollte ich sofort in die tiefen eines Gesprächs eintauchen, wollte ehrgeizig Erlerntes im wahrsten Sinne „an den Mann bringen“.

Herr Graf erwartete mich schon, als ich zu unserem ersten Treffen in seine Wohnung kam. Sofort bat er mich ins Wohnzimmer und stellte mir stolz seine neueste Errungenschaft vor. Ein 3-D Fernseher, dessen besondere Fähigkeit man nur mit einer äußerst unkleidsamen, abstrakten Brille genießen konnte. Kurze Zeit später fand ich mich vor dem Bildschirm mit der 3-D Brille auf der Nase wieder. Mit den dicken Gläsern im Gesicht, kam ich mir total bescheut vor. Dann startete der Film. Ein lustiges Zeichentrickabenteuer einer kleinen Schildkröte die allerlei Geschichten in der Tierwelt erlebte. Dabei sprachen wir fast kein Wort. Er schien aber seinen Spaß an der Sache zu haben denn jedes Mal, wenn ich ihn besuchen kam, glotzten wir gemeinsam das dreidimensionale Leben der kleinen Schildkröte. Ich kam mir dabei recht überflüssig vor, sagte aber nichts, sondern blieb brav an seiner Seite sitzen und lachte an den richtigen Stellen.

Ich sah den Film viermal und beim fünften Besuch öffnete mir seine Frau die Tür. Sie erzählte mir, dass er friedlich und sanft verstorben war.

„Mein Mann hat es sehr genossen, wenn sie bei ihm waren. Er schätzte es, dass sie sich die Zeit und Geduld für seinen Lieblingsfilm nahmen. Vielen Dank, Frau Frey!“

Auch so kann eine Sterbebegleitung sein…

Der Tod ist scheiß uncool !

„Wenn ich tot bin, soll mein Kumpel den Facebook-Status ändern in: Ich hab hier oben WLAN!“

Gelächter in der Klasse. Bingo. Treffer. Der Klassenclown hatte seinen ersten Einsatz sorgfältig geplant. Dann ging die Sache los. Und ich mittendrin.

Hospizarbeit als Unterrichtsstunde

Ungewöhnlich und Neuland für mich. Nicht für meinen fortschrittlichem Hospizverein. Der macht regelmäßig Besuche in den nahe gelegenen Schulen um mit den jungen Menschen über den Tod zu reden

Ganz ehrlich. In diesem Alter hat mich das Thema genauso viel interessiert wie das Bruttosozialprodukt von Niederösterreich. Da sollte ich nun vor eine Klasse mit 20 Schülern treten, die sich vermutlich auf die 90 Minuten mit mir genauso gefreut hatten, wie auf eine Reise an den Nordpol um Schnee zu schippen.

Ich war nervös. Und neugierig. Und unsicher.

Wir starteten die Fragerunde mit einem Experiment. Die Jugendlichen bekamen je einen Eiswürfel in die Hand und wurden gebeten den Zustand auszuhalten, ohne groß darüber zu reden.

Die Kälte ist unangenehm, das Wasser rinnt und kitzelt sich durch die Finger und erst nach einer gefühlten Ewigkeiten schmilzt es. Aufgabe war, mit nur ein oder zwei Worten zu beschreiben was sie dabei denken, während der Eiswürfel langsam zerfließt.

Aushalten. Verlust. Kälte. Zusehen und nichts tun können. Erlösung. Streß. Wärme. Genervt sein. Froh das es vorbei ist. Annehmen. Stille. Wut. Langsamkeit ertragen.

Das waren nur einige Gefühlsausdrücke und alle waren passend zum Thema Tod und Verlust. Sie erkannten, wie die Dinge zusammenhängen. Öffneten sich im Gespräch und fingen an kluge Fragen zu stellen. Viele bewegte das Thema, doch zugeben wollten es anfangs die wenigsten. Nach und nach tauten sie auf, wie die Eiswürfel, die sie eben noch in Händen hielten. Und dann konnten wir an Ihren Fragen erkennen, was sie beschäftige und wie tief mancher Verlust saß.

Wenn die Oma oder ein Elternteil stirbt, sind meist die Erwachsenen selbst von großer Trauer ergriffen. Da bleibt wenig Platz und Kraft, um den Teenager zu trösten. Meist zeigen die Jugendlichen ihre Trauer nicht so wie Erwachsene. Die Gefahr, als uncool zu gelten ist da groß. Tränen werden versteckt, nicht darüber gesprochen und die Eltern will man ja auch nicht zusätzlich belasten.

Wenn zum Beispiel ein geliebtes Haustier stirbt, wird das von den Mitschülern als nicht besonders spektakulär empfunden, der Jugendliche ist aber oft in tiefer Trauer.

Es gibt viele Gesichter der Trauer

Trauer entsteht ja nicht nur in Todesfällen, sondern generell wenn uns ein geliebter Mensch verlässt.

Meinen ersten Liebeskummer werde ich nie vergessen. Oh, ich wollte sterben, dachte ich könnte nie wieder glücklich sein. Jemanden zu verlieren ist immer schmerzhaft, unabhängig davon wie.

Das Experiment war geglückt

Tiefe Gespräche entstanden, es wurde zugehört, nachgefragt. Und gerade diejenigen die eben noch cool auf ihrem Stuhl saßen, ließen sich auf das Thema dieser ungewöhnlichen Schulstunde ein.

Am Ende der Stunde fragte ich nach Ihren Wünschen und es kamen sehr unterschiedliche Ideen. Besonders bewegt hat mich ein junger Mann der sagte:„Ich wünsche mir eine Besuchsstunde im Himmel. Hab da jemanden, dem ich noch was sagen muß.“

Diät? Nö! Geht viel einfacher…

Zuviel auf den Rippen? Hier kommt der ultimative Tipp!

Nachweislich hilft Lachen beim Abnehmen! Herzhaftes Lachen versorgt den Körper mit mehr Sauerstoff. Zudem ist viel Muskelarbeit nötig, um unser Gelächter überhaupt zustande zu bringen. Zehn Minuten Lachen entspricht circa zehn Minuten moderatem Joggen.

Neulich habe ich gelesen, dass wir uns deshalb beim Lachen in die Hose pinkeln, weil sich die Blasenmuskulatur entspannt und dadurch ein paar Tröpflein auslaufen können.

Es kann passieren, dass wir vor Lachen umfallen, weil sich die Beinmuskeln entspannen und wir dann nach vorne kippen.

Wie großartig!

Spannungen entladen sich im Körper. Wir lachen Tränen, weil unser Körper in Aktion kommt und die Flüssigkeiten zum Fließen bringt. Lachen kann wie Kuscheln sein, denn es erhöht sich das Kuschelhormon „Oxytocin“ und das Belohnungssystem wird aktiviert. Dadurch steigt die Konzentration körpereigener, schmerzstillender Opiate.

Lachtherapie

Wenn ich mit einem Kranken lache, werden erwiesenermaßen Schmerzen schwächer wahrgenommen. Durch die Ablenkung erhöht sich der Anstieg von Endorphinen. Es entspannen sich die Muskeln und somit verändert sich auch das Schmerzempfinden.

In einer schweizer Rehaklinik wird bei der Behandlung von Schmerzpatienten seit Jahren eine Humortherapie eingesetzt. Mit Humor und Lachen gelingt es dort den Patienten zu helfen, auf positivere Gedanken zu kommen. Sie fühlen sich wieder lebendig auch wenn es nur für kurze Zeit ist. Mittlerweile finden sich immer mehr Klinikclowns auf Krankenstationen. Nicht nur in Krankenzimmer von Kindern. Auch von Erwachsenen im Hospiz werden die Clowns herzlich willkommen geheißen. Eine schöne Entwicklung, die ich persönlich sehr begrüße.

Weiter so! Denn mit jedem lächeln, stirbt irgendwo ein Problem.

Auf Kollisionskurs mit dem Tod.

Bäm! Ein Schlags ins Gesicht!

Voll auf die Nase. Mister „ich hol mir, wen ich will“ hat diese Woche direkt in mein Herz getroffen. Erst eine Patientin, die mit Ihrem kleinen Baby, 6 Monate alt, auf der Palliativstation eingetroffen ist und zwei Tage danach verstarb. Sie hielt auf der eine Seite das Baby in Ihrem Arm, auf der anderen die Hand des verzweifelten Ehemanns. Mir fehlten die Worte.

Dann der Anruf einer lieben Freundin, deren Vater im hohen Alter verstorben ist. Man hats gewusst, aber deswegen tut es nicht weniger weh, wenn meine Freundin voller Trauer am Telefon weint.

Und jetzt noch die Nachricht, dass ein lieber Kollege im Alter von 34 Jahren vollkommen unerwartet und plötzlich verstorben ist. Keine Voranzeichen, keine Chance auf Vorbereitung. Eben noch da und jetzt einfach weg.

Wenn ich eines in meinen Sterbebegleitungen gelernt habe, dann das.

Das Leben ist nicht gerecht

Und nichts ist so selbstverständlich wie der Tod. Er kommt wann und wie es ihm gefällt. Er ist da. Ungefragt. Oft zu früh, oft ungerecht und mit dieser arroganten Selbstverständlichkeit.

Wenn ich das Synonym zu „selbstverständlich“ nachschlage, dann finde ich, alltäglich, folgerichtig, gewöhnlich, normal, logisch. Es hört, fühlt sich fast schon ein wenig zynisch an. Passt das zu einer Trauer? Tröstet das eine Mutter, die ihren Sohn viel zu früh verloren hat. Versöhnt das einen Witwer mit einem kleinem Kind?

Nein, es hilft kein bisschen und besser verstehen hilft es mir auch nicht.

Doch es ist Fakt. Und es macht mir wieder einmal bewusst, wie„endlich“ ich bin.

Ehrlich gesagt, obwohl ich mich viel mit dem Thema Tod und Sterben befasse, kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass es mich einmal nicht mehr geben soll. Dass ich nicht mehr mit meinen Liebsten reden kann, sie nicht mehr sehe und ich ihnen sogar mit meinem Tod noch Leid bringe. So wie jetzt der junge, viel zu früh verstorbene Kollege.

Deswegen tue ich es jetzt, sofort. Ich sage meinem Mann wie sehr ich ihn liebe, schicke meinen Kindern eine Whats App mit netten Worten und sage ihnen wie stolz ich auf sie bin. Beim Spaziergang mit meinem Hund lächle ich anderen zu und schicke etwas Sonne in ihr Herz. In diesem Moment bin ich lebendig.

Denn weder mein Leben noch mein Dasein ist selbstverständlich.

Mit einem Bein im Knast?

„Du bist Sterbehelferin?“

„In einem Hospiz Sterbende begleiten?“ „Also ich könnte das nicht!“ „Warum beschäftigst du dich eigentlich mit dem Tod?“

So sind meist die Reaktionen, wenn ich erzähle, dass ich Hospizhelferin bin, ausgebildete Sterbebegleiterin im Ehrenamt.

Der feine Unterschied

Manche denken, dass ich so eine Art Handlangerin des Todes bin, mit der Lizenz zum Händchenhalten. Einige sind sogar der Meinung, ich wäre Sterbehelferin, was ganz und gar nicht in meinem Sinn oder die Idee des Hospizgedankes ist. Außerdem würde ich da jetzt etwas beschwerlicher und bei gesiebter Luft, nämlich hinter Gittern, meine Zeilen verfassen. Aktive Sterbehilfe ist bei uns in Deutschland definitiv verboten.

Erlaubt und gewünscht ist es jedoch, schwerstkranke Menschen zu begleiten. Die wichtigste Frage meiner Mitmenschen an mich aber lautet: „Macht dich das denn nicht traurig? Das Sterben und das Elend zu sehen?“

„Wie geht es Dir denn damit?“

Natürlich erlebe ich bei meinen Begleitungen auch Tod und Trauer. Doch ich bin in meiner Position als Sterbebegleiterin in einer anderen Betroffenheit als die Angehörigen. Um einen Menschen gut begleiten zu können, muss ich eine gesunde Distanz einhalten. Meine Objektivität ist es, die den Unterschied im Gespräch und in der Haltung ausmacht. Und genau diese Vorurteilslosigkeit ist es, die mich und mein Gegenüber schützt.

Aber ja, ich trauere um Patienten, die mir ans Herz gewachsen sind und leide mit den Hinterbliebenen. Das ist nun mal der Preis dieser Arbeit. Doch ich werde auch belohnt.

Dadurch, dass ich mich dieser Aufgabe stelle, setze ich mich mit meiner eigenen Sterblichkeit auseinander. Sie lässt mich mein eigenes Leben umso deutlicher spüren. Irgendwie ist der ganze Kleinkram nicht mehr so wichtig. Früher wollte ich immer alles perfekt machen, es allen und jedem recht machen und gefallen. Der Umgang mit dem Thema Sterben und Tod macht mir deutlich, wie kostbar das Leben ist. Wie wertvoll meine Zeit ist. Dadurch, dass ich mich vermutlich öfter als andere Menschen diesem Thema stelle, erkenne ich, wie privilegiert und gern ich lebe. Das ist ein schönes Gefühl und dafür bin ich unendlich dankbar.

„Stell‘ Dir vor, es ist Alltag und keiner geht hin.“

Wenn Sie mal in die Kiste gefallen sind, wird sich keiner daran erinnern, ob Ihr Geschirrspüler ordentlich ausgeräumt war. Ihre Kinder werden nicht erzählen, dass sie eine glückliche Kindheit hatten, weil’s bei Mutti immer so schön sauber war und sie nie Freunde mit nach Hause bringen durften, weil die ja so viel Dreck machen. Kindheitserinnerungen werden nicht davon geprägt sein, dass der Blick durch die Fensterscheiben glasklar war und die Unterwäsche gebügelt.

Ganz sicher wird für Vati nicht die ultimative Lobhudelei angestimmt, nur weil er ständig weg war, um Geld zu verdienen, damit er den SUV und den Urlaub auf Malle finanzieren kann.

Auch die Nachbarn werden nicht an Ihrem Grab tuscheln:

„Na der geschieht es recht, dass sie gestorben ist. Hast du die dreckigen Fenster gesehen? Kein Wunder, dass Gott sie für so viel Sünde straft!“

All‘ das wird nicht passieren.

Eigenartigerweise werden die Leute, mich eingeschlossen, um die Jahreswende irgendwie einsichtiger, sentimentaler. Es wird über das Leben nachgedacht. Das Verwunderliche ist nicht, dass sie es tun, sondern welche Richtung die Gedanken nehmen. Da gehts um Abnehmen, Rauchen aufhören und mehr Sport treiben. Tun, machen, erledigen, besorgen….

Aber, warum eigentlich?

Wenn Sie bisher gerne gegessen haben, ok. Wer hin und wieder mal ne Fluppe raucht, ok. Und Sport ist eh Mord. Oder? Wieso muss ich mich fremdbestimmt um Sachen kümmern, die mir keinen Spaß machen?

Es geht im Leben, doch nicht darum Standards zu entsprechen, sondern sich wohlzufühlen. Mein Tipp: Was Sie gegebenenfalls einschränken sollten; der Anspruch, perfekt sein zu wollen.

Falls Sie es noch nicht wissen .

Ihre Uhr tickt.

Wann Sie Ihren Löffel abgeben, keine Ahnung. Sie werden jedoch das Zeitliche segnen, das ist ganz sicher.

Rein statistisch gesehen werden ca.5 Menschen, die jetzt meinen Blog oder meine Facebooks News lesen, im nächste Jahr nicht mehr leben. Das soll Ihnen keine Angst machen. Nur Ihren Blick für das Wesentliche schärfen.

Viele meiner Bekannten plagen sich das ganze Jahr mit ihrer Arbeit, üben den Spagat zwischen Kindern, Haus und Karriere. Konsumieren ordentlich, damit sich die Müllberge biegen, kaufen die neuesten Modefetzen, richten ihre Bude teuer ein und rennen Dingen hinterher die sie eh nie erreichen werden.

Und für was?

Mehrmals im Jahr sind sie so erschöpft, dass der Urlaub gar nicht weit weg genug von zu Hause gebucht werden kann. Nur um sich am Pool von ein paar Gaudiburschen in bunten Shorts unterhalten zu lassen und die künstlich angelegte Palmenlandschaft zu bewundern?

Zu Hause wird der teuer angelegte Garten vom Nachbarn genossen, der Hund ins Hundehotel gegeben und der Anrufbeantworter auf nicht erreichbar gestellt.

Letztlich sind viele vom Leben gestresst. Aufgebürdet haben sie es sich selbst.

„Ich muss wegfahren, damit ich zur Ruhe komme. Die ganzen Mails und dann der Alltag. Da komme ich einfach nicht dazu mich zu erholen.“

Was meiner Meinung nach viele vergessen… Wir haben einen freien Willen. Es zwingt uns niemand dazu, außerhalb unserer Arbeitszeit Mails zu checken oder den Großputz an den Feiertagen zu erledigen.

Versuchen Sie doch einfach mal Folgendes:

„Es ist Alltag und ich gehe nicht hin.“

An diesem Wochenende keine Mails, keine Verpflichtungen, keine Termine. Glauben Sie mir, das geht! Ich hab‘s ausprobiert. Und wissen Sie, was passiert ist?

Mir war langweilig. Langeweile! Kenne ich nur aus meiner Kindheit. Zunächst wusste ich gar nicht, was tun? Die Versuchung doch die Bügelwäsche anzufeuchten oder den Rasenmäher auszupacken war groß. Vielleicht wenigstens das Auto saugen oder den Badezimmerspielgel putzen? Aber ich habe widerstanden. Direkt stolz war ich da ein wenig auf mich. Dann habe ich mir überlegt, worauf hast du wirklich Lust? Und siehe da, mir ist tatsächlich etwas eingefallen. Sport war’s definitiv nicht, auch nicht den Fernseher anstellten oder die Ablage im Büro erledigen. Nein.

Aber tagsüber, ohne schlechtem Gewissen, ein Buch lesen, im Garten sitzen und den Bienen bei ihrer Arbeit zusehen. Mit Freunden telefonieren und nicht nur Whatsapp Nachrichten schicken. Hab ich mir einfach erlaubt. Einfach so, weil ich es kann. Weil ich es mir wert bin.

Klar es hat eine Weile gedauert, aber plötzlich war mein Wochenende voller wertvoller, selbstbestimmter und entspannter Momente.

Nur Mut, sie schaffen das auch!

Und wenn ein ganzes Wochenende zu viel verlangt ist, dann fangen sie einfach mit HEUTE an. Denn was morgen ist, wissen wir nicht …

Omi auf den Kompost ?

Erdgrab oder ab in die Urne? Wie phantasielos…

Einfach im Sarg rumliegen und warten, bis die Natur ihren Lauf nimmt? Nein, dass, ist so gar nicht trendy und zeitgemäß.

Mit den „Überresten“ meiner Liebsten kann ich künftig den Garten düngen. Und ein Anzug aus Pilzen und Organismen, sorgt dafür, dass mein Leichnam noch schneller von dieser Erde verschwindet.

Es rumst gerade gewaltig, was die Bestattungskultur der modernen Zeit angeht.

Der Trend geht zu Öko und wiederverwertbar. Angesagt ist die schnelle Entsorgung der Toten auch mithilfe von kleinen Tierchen die sich um die sterblichen Überreste zum Mindestlohn kümmern.

Achtung! Gefährliche Leichen!

„Ein Leichnam ist nach einem ganzen Leben in der Regel voller Medikamente, Umweltchemikalien oder Schwermetalle“, sagt Bestatter Joerg Vieweg. Laut des Zentrums für Seuchenkontrollen in den USA sollen es sogar über 200 Substanzen sein. Streng genommen ist ein Leichnam also eine echte Gefahr für Böden und Grundwasser. Pilze können Giftstoffe neutralisieren, sie in ihre Bestandteile zersetzen und damit unschädlich machen.

Die gebürtige Südkoreanerin Jae Rhim Lee hat deswegen einen speziellen Anzug erfunden.

Den „Infinity Burial Suit“

Er ist gespickt mit Pilzen und Mikroorganismen, die nicht nur den Zersetzungsprozess der Leiche beschleunigen, sondern auch sämtliche Schadstoffe filtern. Übrig bleibt auch hier am Ende lediglich Erde. Den Anzug gibt es in verschiedenen Größen und er kostet 1.500 Dollar.

Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit umweltschondend über den Tod hinaus zu wirken.

Wie zum Beispiel „Recompose“

So heißt die Idee der US-Amerikanerin Katrina Spade. Die Architektin und Designerin arbeitet seit 2014 daran, eine professionelle und würdevolle Kompostierung von Verstorbenen möglich zu machen. Menschen sollen zu Erde werden — das schone die Umwelt und gebe dem Verstorbenen einen Sinn über den Tod hinaus, heißt es auf der Homepage der Initiative. Seit dem 19. April 2019 ist diese Methode im US-Bundesstaat Washington legal, ab Mai 2020 kann es dann auch mit den ersten Kompost-Gräbern losgehen.

Sehr smart. Ich für meinen Teil habe aber nicht vor auf dem Kompost zu landen oder in einem häßlichen Anzug krümelige Erde zu werden. Da bin ich wohl doch etwas altmodisch.

Quelle Buten und Binner Nachrichten

Drinks de ene met ?

Wenn ich auf der Palliativstation mithelfe, dann mache ich mich meist in der Küche nützlich. Nicht das ich die Küchenarbeit liebe, weiß Gott nicht, aber damit leiste ich tatsächlich einen wertvollen Beitrag für die Patienten. Denn durch die Unterstützung der Hospizhelfer haben die Schwestern und Pflegekräfte mehr Zeit für die notwendige Versorgung oder kommen selbst mal zum durch schnaufen. Die freien Momente werden dazu genutzt, die Spülmaschine auszuräumen oder die Patientenzimmer von dem benutzten Geschirr zu befreien. Das Essen wird nach den Wünschen der Gäste (so werden die Patienten genannt) angerichtet und es wird auch nachgefragt, welches Getränk passen könnte. Natürlich haben wir in meiner Hauptstadt des Bieres auch welches im Kühlschrank und es wird außerordentlich gerne genommen.

Als ich das Zimmer von Herrn Ehrhard betrete, sitzt er aufrecht im Bett und sieht mich erwartungsvoll an. Er ist seit zwei Wochen in palliativer Behandlung und wird in wenigen Tagen in ein nahe gelegenes Hospiz umziehen. Wissend dass er nur noch eine kurze Zeit zu leben hat, stört es ihn allerdings nicht Scherze zu machen. „Ach et küt wie et kütt“ antwortet er mir auf die Frage, wie es ihm denn heute gehe. Ein Kölner !

Tja das könnte die Verständigung schwierig machen, denn meinen bayerischen Dialekt kann ich beim Aufschreiben ins Hochdeutsche übertragen. Aber so Auge in Auge? Da muss ich mich auf meine Aussprache konzentrieren. „Kann ich denn irgendwas Gutes für Sie tun?“ „Alles Jut. Wat wells de maache. Nix bliev wie et es“

Ok, soweit habe ich ihn verstanden.

Natürlich merkt er, dass ich nicht alles verstehe und er bemüht sich um krakeliges Hochdeutsch. „Haben se denn een Bierchen für mich? Wissen se, Kölsch ist die einzige Sprache, die man och trinken kann.“ Er lässt es sich nicht anmerken, dass ihm die Medikamente zusetzen und ihm starkes Unwohlsein verursachen. Bei der Besprechung mit dem Pflegepersonal bin ich darauf hingewiesen worden, daß er oft erbrechen muss und er nur ganz kleine Essensportionen verträgt.

Zusammen mit dem Abendessen bringe ich ihm das gewünschte Bier. Sein Menü, eine Buchstabensuppe, dekoriert mit Petersilie und einem kleinem Stückchen Brot stelle ich auf den Patiententisch. Als er das sieht, fängt er lauthals zu lachen an und prustet:

„Do laachs dich kapot. Ene Supp‘ mit Buchstaben! Da kann isch heut Geschichten kotzen!“

Wir lachen beide fast schon ein wenig zu laut und als er zu seinem Bierchen greift, fragt er mich gespieltem Ernst: „Sind se mit dem Auto da?“ „Ja, warum?“ „Schad, dann könn se jet keene met drinken, aber ich schon. Und kann och noch jemütlich hier liegen bleiben. Nix es esu schlääch dat et nit och für et joth wör“

Wie wahr, wie wahr …