Der Tod ist scheiß uncool !

„Wenn ich tot bin, soll mein Kumpel den Facebook-Status ändern in: Ich hab hier oben WLAN!“

Gelächter in der Klasse. Bingo. Treffer. Der Klassenclown hatte seinen ersten Einsatz sorgfältig geplant. Dann ging die Sache los. Und ich mittendrin.

Hospizarbeit als Unterrichtsstunde

Ungewöhnlich und Neuland für mich. Nicht für meinen fortschrittlichem Hospizverein. Der macht regelmäßig Besuche in den nahe gelegenen Schulen um mit den jungen Menschen über den Tod zu reden

Ganz ehrlich. In diesem Alter hat mich das Thema genauso viel interessiert wie das Bruttosozialprodukt von Niederösterreich. Da sollte ich nun vor eine Klasse mit 20 Schülern treten, die sich vermutlich auf die 90 Minuten mit mir genauso gefreut hatten, wie auf eine Reise an den Nordpol um Schnee zu schippen.

Ich war nervös. Und neugierig. Und unsicher.

Wir starteten die Fragerunde mit einem Experiment. Die Jugendlichen bekamen je einen Eiswürfel in die Hand und wurden gebeten den Zustand auszuhalten, ohne groß darüber zu reden.

Die Kälte ist unangenehm, das Wasser rinnt und kitzelt sich durch die Finger und erst nach einer gefühlten Ewigkeiten schmilzt es. Aufgabe war, mit nur ein oder zwei Worten zu beschreiben was sie dabei denken, während der Eiswürfel langsam zerfließt.

Aushalten. Verlust. Kälte. Zusehen und nichts tun können. Erlösung. Streß. Wärme. Genervt sein. Froh das es vorbei ist. Annehmen. Stille. Wut. Langsamkeit ertragen.

Das waren nur einige Gefühlsausdrücke und alle waren passend zum Thema Tod und Verlust. Sie erkannten, wie die Dinge zusammenhängen. Öffneten sich im Gespräch und fingen an kluge Fragen zu stellen. Viele bewegte das Thema, doch zugeben wollten es anfangs die wenigsten. Nach und nach tauten sie auf, wie die Eiswürfel, die sie eben noch in Händen hielten. Und dann konnten wir an Ihren Fragen erkennen, was sie beschäftige und wie tief mancher Verlust saß.

Wenn die Oma oder ein Elternteil stirbt, sind meist die Erwachsenen selbst von großer Trauer ergriffen. Da bleibt wenig Platz und Kraft, um den Teenager zu trösten. Meist zeigen die Jugendlichen ihre Trauer nicht so wie Erwachsene. Die Gefahr, als uncool zu gelten ist da groß. Tränen werden versteckt, nicht darüber gesprochen und die Eltern will man ja auch nicht zusätzlich belasten.

Wenn zum Beispiel ein geliebtes Haustier stirbt, wird das von den Mitschülern als nicht besonders spektakulär empfunden, der Jugendliche ist aber oft in tiefer Trauer.

Es gibt viele Gesichter der Trauer

Trauer entsteht ja nicht nur in Todesfällen, sondern generell wenn uns ein geliebter Mensch verlässt.

Meinen ersten Liebeskummer werde ich nie vergessen. Oh, ich wollte sterben, dachte ich könnte nie wieder glücklich sein. Jemanden zu verlieren ist immer schmerzhaft, unabhängig davon wie.

Das Experiment war geglückt

Tiefe Gespräche entstanden, es wurde zugehört, nachgefragt. Und gerade diejenigen die eben noch cool auf ihrem Stuhl saßen, ließen sich auf das Thema dieser ungewöhnlichen Schulstunde ein.

Am Ende der Stunde fragte ich nach Ihren Wünschen und es kamen sehr unterschiedliche Ideen. Besonders bewegt hat mich ein junger Mann der sagte:„Ich wünsche mir eine Besuchsstunde im Himmel. Hab da jemanden, dem ich noch was sagen muß.“

Wer zuerst lacht, lacht am besten!
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Diät? Nö! Geht viel einfacher…

Zuviel auf den Rippen? Hier kommt der ultimative Tipp!

Nachweislich hilft Lachen beim Abnehmen! Herzhaftes Lachen versorgt den Körper mit mehr Sauerstoff. Zudem ist viel Muskelarbeit nötig, um unser Gelächter überhaupt zustande zu bringen. Zehn Minuten Lachen entspricht circa zehn Minuten moderatem Joggen.

Neulich habe ich gelesen, dass wir uns deshalb beim Lachen in die Hose pinkeln, weil sich die Blasenmuskulatur entspannt und dadurch ein paar Tröpflein auslaufen können.

Es kann passieren, dass wir vor Lachen umfallen, weil sich die Beinmuskeln entspannen und wir dann nach vorne kippen.

Wie großartig!

Spannungen entladen sich im Körper. Wir lachen Tränen, weil unser Körper in Aktion kommt und die Flüssigkeiten zum Fließen bringt. Lachen kann wie Kuscheln sein, denn es erhöht sich das Kuschelhormon „Oxytocin“ und das Belohnungssystem wird aktiviert. Dadurch steigt die Konzentration körpereigener, schmerzstillender Opiate.

Lachtherapie

Wenn ich mit einem Kranken lache, werden erwiesenermaßen Schmerzen schwächer wahrgenommen. Durch die Ablenkung erhöht sich der Anstieg von Endorphinen. Es entspannen sich die Muskeln und somit verändert sich auch das Schmerzempfinden.

In einer schweizer Rehaklinik wird bei der Behandlung von Schmerzpatienten seit Jahren eine Humortherapie eingesetzt. Mit Humor und Lachen gelingt es dort den Patienten zu helfen, auf positivere Gedanken zu kommen. Sie fühlen sich wieder lebendig auch wenn es nur für kurze Zeit ist. Mittlerweile finden sich immer mehr Klinikclowns auf Krankenstationen. Nicht nur in Krankenzimmer von Kindern. Auch von Erwachsenen im Hospiz werden die Clowns herzlich willkommen geheißen. Eine schöne Entwicklung, die ich persönlich sehr begrüße.

Weiter so! Denn mit jedem lächeln, stirbt irgendwo ein Problem.

Auf Kollisionskurs mit dem Tod.

Bäm! Ein Schlags ins Gesicht!

Voll auf die Nase. Mister „ich hol mir, wen ich will“ hat diese Woche direkt in mein Herz getroffen. Erst eine Patientin, die mit Ihrem kleinen Baby, 6 Monate alt, auf der Palliativstation eingetroffen ist und zwei Tage danach verstarb. Sie hielt auf der eine Seite das Baby in Ihrem Arm, auf der anderen die Hand des verzweifelten Ehemanns. Mir fehlten die Worte.

Dann der Anruf einer lieben Freundin, deren Vater im hohen Alter verstorben ist. Man hats gewusst, aber deswegen tut es nicht weniger weh, wenn meine Freundin voller Trauer am Telefon weint.

Und jetzt noch die Nachricht, dass ein lieber Kollege im Alter von 34 Jahren vollkommen unerwartet und plötzlich verstorben ist. Keine Voranzeichen, keine Chance auf Vorbereitung. Eben noch da und jetzt einfach weg.

Wenn ich eines in meinen Sterbebegleitungen gelernt habe, dann das.

Das Leben ist nicht gerecht

Und nichts ist so selbstverständlich wie der Tod. Er kommt wann und wie es ihm gefällt. Er ist da. Ungefragt. Oft zu früh, oft ungerecht und mit dieser arroganten Selbstverständlichkeit.

Wenn ich das Synonym zu „selbstverständlich“ nachschlage, dann finde ich, alltäglich, folgerichtig, gewöhnlich, normal, logisch. Es hört, fühlt sich fast schon ein wenig zynisch an. Passt das zu einer Trauer? Tröstet das eine Mutter, die ihren Sohn viel zu früh verloren hat. Versöhnt das einen Witwer mit einem kleinem Kind?

Nein, es hilft kein bisschen und besser verstehen hilft es mir auch nicht.

Doch es ist Fakt. Und es macht mir wieder einmal bewusst, wie„endlich“ ich bin.

Ehrlich gesagt, obwohl ich mich viel mit dem Thema Tod und Sterben befasse, kann mir überhaupt nicht vorstellen, dass es mich einmal nicht mehr geben soll. Dass ich nicht mehr mit meinen Liebsten reden kann, sie nicht mehr sehe und ich ihnen sogar mit meinem Tod noch Leid bringe. So wie jetzt der junge, viel zu früh verstorbene Kollege.

Deswegen tue ich es jetzt, sofort. Ich sage meinem Mann wie sehr ich ihn liebe, schicke meinen Kindern eine Whats App mit netten Worten und sage ihnen wie stolz ich auf sie bin. Beim Spaziergang mit meinem Hund lächle ich anderen zu und schicke etwas Sonne in ihr Herz. In diesem Moment bin ich lebendig.

Denn weder mein Leben noch mein Dasein ist selbstverständlich.

Mit einem Bein im Knast?

„Du bist Sterbehelferin?“

„In einem Hospiz Sterbende begleiten?“ „Also ich könnte das nicht!“ „Warum beschäftigst du dich eigentlich mit dem Tod?“

So sind meist die Reaktionen, wenn ich erzähle, dass ich Hospizhelferin bin, ausgebildete Sterbebegleiterin im Ehrenamt.

Der feine Unterschied

Manche denken, dass ich so eine Art Handlangerin des Todes bin, mit der Lizenz zum Händchenhalten. Einige sind sogar der Meinung, ich wäre Sterbehelferin, was ganz und gar nicht in meinem Sinn oder die Idee des Hospizgedankes ist. Außerdem würde ich da jetzt etwas beschwerlicher und bei gesiebter Luft, nämlich hinter Gittern, meine Zeilen verfassen. Aktive Sterbehilfe ist bei uns in Deutschland definitiv verboten.

Erlaubt und gewünscht ist es jedoch, schwerstkranke Menschen zu begleiten. Die wichtigste Frage meiner Mitmenschen an mich aber lautet: „Macht dich das denn nicht traurig? Das Sterben und das Elend zu sehen?“

„Wie geht es Dir denn damit?“

Natürlich erlebe ich bei meinen Begleitungen auch Tod und Trauer. Doch ich bin in meiner Position als Sterbebegleiterin in einer anderen Betroffenheit als die Angehörigen. Um einen Menschen gut begleiten zu können, muss ich eine gesunde Distanz einhalten. Meine Objektivität ist es, die den Unterschied im Gespräch und in der Haltung ausmacht. Und genau diese Vorurteilslosigkeit ist es, die mich und mein Gegenüber schützt.

Aber ja, ich trauere um Patienten, die mir ans Herz gewachsen sind und leide mit den Hinterbliebenen. Das ist nun mal der Preis dieser Arbeit. Doch ich werde auch belohnt.

Dadurch, dass ich mich dieser Aufgabe stelle, setze ich mich mit meiner eigenen Sterblichkeit auseinander. Sie lässt mich mein eigenes Leben umso deutlicher spüren. Irgendwie ist der ganze Kleinkram nicht mehr so wichtig. Früher wollte ich immer alles perfekt machen, es allen und jedem recht machen und gefallen. Der Umgang mit dem Thema Sterben und Tod macht mir deutlich, wie kostbar das Leben ist. Wie wertvoll meine Zeit ist. Dadurch, dass ich mich vermutlich öfter als andere Menschen diesem Thema stelle, erkenne ich, wie privilegiert und gern ich lebe. Das ist ein schönes Gefühl und dafür bin ich unendlich dankbar.

„Stell‘ Dir vor, es ist Alltag und keiner geht hin.“

Wenn Sie mal in die Kiste gefallen sind, wird sich keiner daran erinnern, ob Ihr Geschirrspüler ordentlich ausgeräumt war. Ihre Kinder werden nicht erzählen, dass sie eine glückliche Kindheit hatten, weil’s bei Mutti immer so schön sauber war und sie nie Freunde mit nach Hause bringen durften, weil die ja so viel Dreck machen. Kindheitserinnerungen werden nicht davon geprägt sein, dass der Blick durch die Fensterscheiben glasklar war und die Unterwäsche gebügelt.

Ganz sicher wird für Vati nicht die ultimative Lobhudelei angestimmt, nur weil er ständig weg war, um Geld zu verdienen, damit er den SUV und den Urlaub auf Malle finanzieren kann.

Auch die Nachbarn werden nicht an Ihrem Grab tuscheln:

„Na der geschieht es recht, dass sie gestorben ist. Hast du die dreckigen Fenster gesehen? Kein Wunder, dass Gott sie für so viel Sünde straft!“

All‘ das wird nicht passieren.

Eigenartigerweise werden die Leute, mich eingeschlossen, um die Jahreswende irgendwie einsichtiger, sentimentaler. Es wird über das Leben nachgedacht. Das Verwunderliche ist nicht, dass sie es tun, sondern welche Richtung die Gedanken nehmen. Da gehts um Abnehmen, Rauchen aufhören und mehr Sport treiben. Tun, machen, erledigen, besorgen….

Aber, warum eigentlich?

Wenn Sie bisher gerne gegessen haben, ok. Wer hin und wieder mal ne Fluppe raucht, ok. Und Sport ist eh Mord. Oder? Wieso muss ich mich fremdbestimmt um Sachen kümmern, die mir keinen Spaß machen?

Es geht im Leben, doch nicht darum Standards zu entsprechen, sondern sich wohlzufühlen. Mein Tipp: Was Sie gegebenenfalls einschränken sollten; der Anspruch, perfekt sein zu wollen.

Falls Sie es noch nicht wissen .

Ihre Uhr tickt.

Wann Sie Ihren Löffel abgeben, keine Ahnung. Sie werden jedoch das Zeitliche segnen, das ist ganz sicher.

Rein statistisch gesehen werden ca.5 Menschen, die jetzt meinen Blog oder meine Facebooks News lesen, im nächste Jahr nicht mehr leben. Das soll Ihnen keine Angst machen. Nur Ihren Blick für das Wesentliche schärfen.

Viele meiner Bekannten plagen sich das ganze Jahr mit ihrer Arbeit, üben den Spagat zwischen Kindern, Haus und Karriere. Konsumieren ordentlich, damit sich die Müllberge biegen, kaufen die neuesten Modefetzen, richten ihre Bude teuer ein und rennen Dingen hinterher die sie eh nie erreichen werden.

Und für was?

Mehrmals im Jahr sind sie so erschöpft, dass der Urlaub gar nicht weit weg genug von zu Hause gebucht werden kann. Nur um sich am Pool von ein paar Gaudiburschen in bunten Shorts unterhalten zu lassen und die künstlich angelegte Palmenlandschaft zu bewundern?

Zu Hause wird der teuer angelegte Garten vom Nachbarn genossen, der Hund ins Hundehotel gegeben und der Anrufbeantworter auf nicht erreichbar gestellt.

Letztlich sind viele vom Leben gestresst. Aufgebürdet haben sie es sich selbst.

„Ich muss wegfahren, damit ich zur Ruhe komme. Die ganzen Mails und dann der Alltag. Da komme ich einfach nicht dazu mich zu erholen.“

Was meiner Meinung nach viele vergessen… Wir haben einen freien Willen. Es zwingt uns niemand dazu, außerhalb unserer Arbeitszeit Mails zu checken oder den Großputz an den Feiertagen zu erledigen.

Versuchen Sie doch einfach mal Folgendes:

„Es ist Alltag und ich gehe nicht hin.“

An diesem Wochenende keine Mails, keine Verpflichtungen, keine Termine. Glauben Sie mir, das geht! Ich hab‘s ausprobiert. Und wissen Sie, was passiert ist?

Mir war langweilig. Langeweile! Kenne ich nur aus meiner Kindheit. Zunächst wusste ich gar nicht, was tun? Die Versuchung doch die Bügelwäsche anzufeuchten oder den Rasenmäher auszupacken war groß. Vielleicht wenigstens das Auto saugen oder den Badezimmerspielgel putzen? Aber ich habe widerstanden. Direkt stolz war ich da ein wenig auf mich. Dann habe ich mir überlegt, worauf hast du wirklich Lust? Und siehe da, mir ist tatsächlich etwas eingefallen. Sport war’s definitiv nicht, auch nicht den Fernseher anstellten oder die Ablage im Büro erledigen. Nein.

Aber tagsüber, ohne schlechtem Gewissen, ein Buch lesen, im Garten sitzen und den Bienen bei ihrer Arbeit zusehen. Mit Freunden telefonieren und nicht nur Whatsapp Nachrichten schicken. Hab ich mir einfach erlaubt. Einfach so, weil ich es kann. Weil ich es mir wert bin.

Klar es hat eine Weile gedauert, aber plötzlich war mein Wochenende voller wertvoller, selbstbestimmter und entspannter Momente.

Nur Mut, sie schaffen das auch!

Und wenn ein ganzes Wochenende zu viel verlangt ist, dann fangen sie einfach mit HEUTE an. Denn was morgen ist, wissen wir nicht …

Omi auf den Kompost ?

Erdgrab oder ab in die Urne? Wie phantasielos…

Einfach im Sarg rumliegen und warten, bis die Natur ihren Lauf nimmt? Nein, dass, ist so gar nicht trendy und zeitgemäß.

Mit den „Überresten“ meiner Liebsten kann ich künftig den Garten düngen. Und ein Anzug aus Pilzen und Organismen, sorgt dafür, dass mein Leichnam noch schneller von dieser Erde verschwindet.

Es rumst gerade gewaltig, was die Bestattungskultur der modernen Zeit angeht.

Der Trend geht zu Öko und wiederverwertbar. Angesagt ist die schnelle Entsorgung der Toten auch mithilfe von kleinen Tierchen die sich um die sterblichen Überreste zum Mindestlohn kümmern.

Achtung! Gefährliche Leichen!

„Ein Leichnam ist nach einem ganzen Leben in der Regel voller Medikamente, Umweltchemikalien oder Schwermetalle“, sagt Bestatter Joerg Vieweg. Laut des Zentrums für Seuchenkontrollen in den USA sollen es sogar über 200 Substanzen sein. Streng genommen ist ein Leichnam also eine echte Gefahr für Böden und Grundwasser. Pilze können Giftstoffe neutralisieren, sie in ihre Bestandteile zersetzen und damit unschädlich machen.

Die gebürtige Südkoreanerin Jae Rhim Lee hat deswegen einen speziellen Anzug erfunden.

Den „Infinity Burial Suit“

Er ist gespickt mit Pilzen und Mikroorganismen, die nicht nur den Zersetzungsprozess der Leiche beschleunigen, sondern auch sämtliche Schadstoffe filtern. Übrig bleibt auch hier am Ende lediglich Erde. Den Anzug gibt es in verschiedenen Größen und er kostet 1.500 Dollar.

Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit umweltschondend über den Tod hinaus zu wirken.

Wie zum Beispiel „Recompose“

So heißt die Idee der US-Amerikanerin Katrina Spade. Die Architektin und Designerin arbeitet seit 2014 daran, eine professionelle und würdevolle Kompostierung von Verstorbenen möglich zu machen. Menschen sollen zu Erde werden — das schone die Umwelt und gebe dem Verstorbenen einen Sinn über den Tod hinaus, heißt es auf der Homepage der Initiative. Seit dem 19. April 2019 ist diese Methode im US-Bundesstaat Washington legal, ab Mai 2020 kann es dann auch mit den ersten Kompost-Gräbern losgehen.

Sehr smart. Ich für meinen Teil habe aber nicht vor auf dem Kompost zu landen oder in einem häßlichen Anzug krümelige Erde zu werden. Da bin ich wohl doch etwas altmodisch.

Quelle Buten und Binner Nachrichten

Drinks de ene met ?

Wenn ich auf der Palliativstation mithelfe, dann mache ich mich meist in der Küche nützlich. Nicht das ich die Küchenarbeit liebe, weiß Gott nicht, aber damit leiste ich tatsächlich einen wertvollen Beitrag für die Patienten. Denn durch die Unterstützung der Hospizhelfer haben die Schwestern und Pflegekräfte mehr Zeit für die notwendige Versorgung oder kommen selbst mal zum durch schnaufen. Die freien Momente werden dazu genutzt, die Spülmaschine auszuräumen oder die Patientenzimmer von dem benutzten Geschirr zu befreien. Das Essen wird nach den Wünschen der Gäste (so werden die Patienten genannt) angerichtet und es wird auch nachgefragt, welches Getränk passen könnte. Natürlich haben wir in meiner Hauptstadt des Bieres auch welches im Kühlschrank und es wird außerordentlich gerne genommen.

Als ich das Zimmer von Herrn Ehrhard betrete, sitzt er aufrecht im Bett und sieht mich erwartungsvoll an. Er ist seit zwei Wochen in palliativer Behandlung und wird in wenigen Tagen in ein nahe gelegenes Hospiz umziehen. Wissend dass er nur noch eine kurze Zeit zu leben hat, stört es ihn allerdings nicht Scherze zu machen. „Ach et küt wie et kütt“ antwortet er mir auf die Frage, wie es ihm denn heute gehe. Ein Kölner !

Tja das könnte die Verständigung schwierig machen, denn meinen bayerischen Dialekt kann ich beim Aufschreiben ins Hochdeutsche übertragen. Aber so Auge in Auge? Da muss ich mich auf meine Aussprache konzentrieren. „Kann ich denn irgendwas Gutes für Sie tun?“ „Alles Jut. Wat wells de maache. Nix bliev wie et es“

Ok, soweit habe ich ihn verstanden.

Natürlich merkt er, dass ich nicht alles verstehe und er bemüht sich um krakeliges Hochdeutsch. „Haben se denn een Bierchen für mich? Wissen se, Kölsch ist die einzige Sprache, die man och trinken kann.“ Er lässt es sich nicht anmerken, dass ihm die Medikamente zusetzen und ihm starkes Unwohlsein verursachen. Bei der Besprechung mit dem Pflegepersonal bin ich darauf hingewiesen worden, daß er oft erbrechen muss und er nur ganz kleine Essensportionen verträgt.

Zusammen mit dem Abendessen bringe ich ihm das gewünschte Bier. Sein Menü, eine Buchstabensuppe, dekoriert mit Petersilie und einem kleinem Stückchen Brot stelle ich auf den Patiententisch. Als er das sieht, fängt er lauthals zu lachen an und prustet:

„Do laachs dich kapot. Ene Supp‘ mit Buchstaben! Da kann isch heut Geschichten kotzen!“

Wir lachen beide fast schon ein wenig zu laut und als er zu seinem Bierchen greift, fragt er mich gespieltem Ernst: „Sind se mit dem Auto da?“ „Ja, warum?“ „Schad, dann könn se jet keene met drinken, aber ich schon. Und kann och noch jemütlich hier liegen bleiben. Nix es esu schlääch dat et nit och für et joth wör“

Wie wahr, wie wahr …

Freiheit für die Asche!

Greta Thunbergs Einsatz wirkt auch über den Tod hinaus.

Neue Bestattungstrends. Ökologisch, biologisch und zukunftstauglich. Was weiß ich, wo das noch hinführt. Aber erfinderisch ist der Mensch an sich ja schon …

Promession — Pulver durch schockfrosten

Die Idee stammt von der Schwedin Susanne Wiigh-Mäsak. Anstatt jahrzehntelang im Boden zu verrotten oder unter hohem Energieaufwand zu verbrennen, kann sie sich gut vorstellen, schockgefrostet zu werden. Dadurch verliert der Leichnam Flüssigkeiten, er wird brüchig. Rotationen lassen ihn zu Granulat zerfallen. Metalle, wie zum Beispiel Zahnfüllungen, zieht ein Magnet aus dem geruchsfreien Pulver. In einer kompostierbaren Urne kann der Angehörige dann — zumindest theoretisch — im Blumenbeet bestattet werden. Auch hinter dieser Idee verbirgt sich der Gedanke, die Umwelt zu schonen und in einem neuen Organismus weiterzuleben. Für diese Idee setzt sich die Schwedin in der ganzen Welt ein, durchsetzen konnte sich das Konzept aber noch nicht.

Aber auch der pfiffige Bestatter Joerg Vieweg und möchte zur Diskussion anstoßen. „Freiheit für die eigene Asche“ Bremen ist so liberal, wie kein anderes deutsches Bundesland: Seit 2015 kann in der Stadt Bremen die Asche von Angehörigen, die ihren letzten Wohnsitz vor dem Tod in Bremen hatten, im eigenen Garten vergraben oder verstreut werden. Vor dem Tod muss dafür lediglich die passende Bestattungsverfügung ausgefüllt werden. „Bis Ende 2018 sind 86 dieser Anträge bei uns eingegangen“, sagt Kerstin Doty vom Umweltbetrieb Bremen. Bis andere Bestattungsmethoden zum Standard werden können, müssten aber wohl erst zahlreiche Gesetze geändert werden, vermutet Doty.

Oder als Alternative die Resomation — sich auflösen

Hier wird der Körper mit einer speziellen Lösung besprüht und in einem Druckbehälter, dem sogenannten Resomator, unter hohen Temperaturen und hohem Luftdruck zersetzt. Das Ganze dauert etwa drei Stunden, übrig bleibt ein weißes Pulver. „Das kann dann ganz normal in einer Urne beigesetzt werden“, sagt Vieweg. Diese Methode verbrauche weitaus weniger Energie, sei schneller und umweltschonender als die herkömmliche Verbrennung im Krematorium, so Vieweg. In den USA und Kanada darf teilweise bereits resomiert werden, Belgien und die Niederlande denken darüber nach. Auch für Deutschland sei die Resomation wohl die wahrscheinlichste Neuerung der kommenden Jahrzehnte, glaubt Joerg Vieweg. „Es ist günstiger, schneller, sauberer und die Technik ist schon länger auf dem Markt.“

Grüne Linie — lokal und ressourcenschonend

Die Idee ist simpel: Der letzte Fußabdruck, den Menschen auf der Erde hinterlassen, soll möglichst ökologisch und nachhaltig sein. Der Bestatter Werner Kentrup aus Bonn hat die Initiative ins Leben gerufen. Praktisch sieht das dann so aus: Statt glänzenden Särgen oder Trauerkarten entscheidet man sich zum Beispiel für einen schlichten Kiefernsarg, der lokal produziert wurde und biologisch abbaubar ist. Gleiche Prinzipien gelten für Blumen oder den Grabstein: Welche Blumen blühen gerade in der Natur? Welchen Stein findet man ganz natürlich in der Region? Die Grüne Linie ist der wohl einfachste Weg, den letzten Weg eines Menschens umweltschonender zu gestalten. (Quelle Buten und Binner Nachrichten)

Was tun?

Ganz ehrlich, jetzt bin ich schon etwas verwirrt. Dann tragen die vielen, nicht ökologisch wertvoll versorgten Leichen Mitschuld an der Umweltverschmutzung?

Au Backe! Da bin ich jetzt aber sehr vorsichtig, mit dem, was ich so alles zu mir nehme. Sonst komme ich in den Pilzanzug der mich in Windeseile zersetzt. Gibts tatsächlich. Was das bedeutet? Davon lest ihr in meinem nächsten Blog …

Ich habe gerade Zeit, wo gibts nichts zu tun?

Eines hat sich definitiv für mich verändert, seit ich in der Sterbebegleitung bin: der Begriff von Zeit.

Wenn es einen wahrhaftigen und unbezahlbaren Schatz gibt, dann meine ganz persönliche Zeit.

Es ist für mich der Inbegriff von Gerechtigkeit. Wir haben alle die gleiche Zeit, wir wissen alle nicht wie viel wir davon haben und wann sie verbraucht ist. Kein Mensch der Welt, egal wie groß die Rolex an seinem Handgelenk ist, oder seine Villa auf Malle, kann mehr Zeit für sich verbrauchen, als ihm zugedacht ist.

Jeder von uns hat seine eigenen Möglichkeiten Zeit zu nutzen. Dabei gibt es für mich kleine feine Unterschiede.

Es gibt Menschen die Schreiben mir, wenn sie Zeit haben und andere nehmen sich die Zeit mir zu schreiben. In beiden Möglichkeiten wird die Zeit genutzt, jedoch mit einer anderen Wahrnehmung.

Wenn ich meine Zeit aufrichtig einteile, verschenke oder vergeude mit Dingen, die in diesem Moment gut für mich sind, dann tut mir das gut. Meine Zeit zu verweigern, nicht zu verschenken, egoistisch für mich zu behalten, fühlt sich für mich allemal besser an, als Erwartungen zu erfüllen, wie ich meine Zeit zu verbringen habe. Die Qualität der Zeit verändert sich mit der Haltung in der ich sie verplane.

Die Zeit wird mit der Zeit immer wichtiger…

In meinen Begleitungen erlebe ich sehr oft, dass vertane Zeit betrauert, bereut wird. Am Ende sehen wir die Wichtigkeit der Zeit und Ihre Bedeutung. Viele erkennen das leider erst zum Schluss.

Aber die kostbaren Momente im Leben, die guten Zeiten, helfen in den letzten Stunden. Machen es leichter loszulassen, nicht mit dem Gegebenen zu hadern. Wenn die Zeit hier auf Erden gut und qualitätsvoll genutzt wurde, ist das am Ende eine sehr schöne Erkenntnis.

Meine liebe, alte Dame, die ich neulich besucht habe, jammerte fürchterlich, als ich bei Ihr war. Mit gutem Grund, denn ihr Gesundheitszustand wird immer schlechter, sie hat Schmerzen, und ich glaube viel Zeit bleibt ihr nicht mehr. Um sie etwas abzulenken, fragte ich, was ich für sie tun könnte, was ihr denn Freude bereiten würde. Darauf hin antwortete sie mir: „Sie machen mir Freude, mit ihrem Besuch und das sie mir ihre Zeit schenken!“

…und es fühlte sich für mich richtig an, in diesem Moment meine Zeit dieser schwerkranken, lieben, alten Dame zu schenken …

Ist das ein Gespräch, oder kann das weg?

„Wie geht‘s dir?“ Eine alltägliche Frage. Wir stellen sie mehrmals am Tag, ohne uns die Zeit zu nehmen, die Antwort abzuwarten. Es ist zu einer Floskel geworden. Ohne Anspruch auf Erfüllung. Wehe es antwortet jemand nicht mit „Gut“ oder „Passt schon.“Dann erliegt man einem ungewolltem Gespräch oder spricht eine willkommene Einladung an den Hypochonder aus.

Auch ich ertappe mich dabei, die Floskel „ Alles Ok?“ zu benutzen. Einfach mal nachzufragen, banal, ohne eine ehrliche Antwort zu erwarten. Meist hat es keine Auswirkung auf mein Gemüt und der Gefragte fühlt sich nicht wirklich angesprochen. Unverbindliche Höflichkeitsfloskel. Gut für beide.

So eine oberflächliche Nachfrage kann aber in der Begegnung mit Schwerstkranken ziemlich nach hinten losgehen.

„Wie soll es mir schon gehen? Ich bekomme gerade meine vierte Chemo.“ Das entgegnete mir damals meine Mutter, als ich mit der Floskel “Wie gehts dir?“ ins Zimmer stürmte. Da wurde mir schlagartig klar, dass ich der prekären Situation, mit meiner unsensiblen Frage, noch ordentlich Futter gab.

Das ist jetzt schon einige Jahre her, aber noch immer mache ich mir Gedanken, womit ich das Gespräch beginnen soll, wenn ich in das Zimmer eines Kranken gehe.

Wie spreche ich mit jemanden der, wie ein Häufchen Elend im Bett liegt? Womöglich sich wenig oder unverständlich mitteilt. Was sage ich denn, wenn mich die Augen eines geliebten Menschen verloren ansehen, in der Hoffnung, ich hätte eine Lösung? Wie reagiere ich denn, wenn jemand vor mir liegt, den ich kaum wiedererkenne weil die Krankheit an seinem Körper bis zur Unkenntlichkeit an ihm gezehrt hat. Oder noch schlimmer, wenn der Tod greifbar nah ist, es alle wissen und spüren? Was sagt man denn da?

Es erfordert etwas Mut…aber es ist leicht zu schaffen.

Eine enorme Herausforderung, das Richtige zu sagen, sich richtig zu verhalten den perfekten Wortlaut zu treffen. Das ist oft der Grund, warum viele sich nicht in das Krankenhaus, auf die Palliativstation oder in das Hospiz trauen. Die Scheu vor der Kommunikation mit Sterbenden ist groß und die Angst, etwas falsches zu sagen, oder gar sprachlos zu sein hält davon ab, sich überhaupt in diese Lage zu bringen.

Oft höre ich: „Petra, was sagst du denn, wenn du zu deinen Begleitungen gehst? Gibt es da ’ne Regel?“ Nein, gibt es nicht. Es ist immer eine besondere Situation und auf manches kann ich mich vorbereiten, aber auf vieles nicht.

Mein Tipp für solche Fragen?

Authentisch sein. Ehrlich antworten. Wer am Herrgotts Türchen steht, hat keine Zeit und Lust mehr auf blödsinnige Floskeln oder umständliche Worte. Da ist Geradlinigkeit gefragt. Das ist nicht einfach, ich weiß, aber nach meinen Erfahrungen ist es der richtige Weg. Solang ich aufrichtig bei meinen Begleitungen bin, ehrlich antworte, und mich nicht verstelle, habe ich direkten Kontakt. Da sollte ich nichts mehr über die Langzeitwirkung von Globoli erzählen, sondern den „Istzustand“ annehmen. Zuhören, miteinander schweigen oder auch miteinander weinen.

Und wenn schon die Frage „ Wie geht‘s dir? „im Raum steht, weil man sie wieder viel zu schnell und unüberlegt ausgesprochen hat, dann würde ich noch ein kleines Wort anhängen. … „Wie geht‘s dir HEUTE?“ „Wie fühlst du dich JETZT?“

Und schon ist es keine Floskel mehr. Ich bin direkt bei der Person. Frage ehrlich und zeige aufrichtiges Interesse. Dann befinde ich mich gemeinsam, mit meinem Gegenüber, im Hier und im Jetzt. Das HEUTE und das JETZT zählt, denn viel mehr Zeit haben meine Begegnungen meist nicht mehr.