Wie bitte? Nonverbale Kommunikation?

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Diese besondere Zeit hat auch eine neue weitere Herausforderung. Die Frage: „Welche Maske trage ich heute?“

Zu meinem eigenen Erstaunen ist mir das neulich tatsächlich passiert. Als ich mich auf den Weg zu meiner Begleitung gemacht habe, überlegte ich ernsthaft, welche Maske ich tragen sollte. Immerhin zählt der erste Eindruck. Und ich wollte überzeugen, zeigen, dass ich eine fähige Hospizhelferin bin. Einerseits wollte ich Vertrauen erwecken, andererseits auch Kompetenz. Aber sollte da der Griff zur medizinischen Fachmaske mit fantasielosem hellblau und weißem Gummiband der richtige sein? Oder doch eher die fröhliche, die selbst genähte, mit den bunten Herzchen? Möchte ich kompetent erscheinen oder eher privat verspielt?

Es gibt immerhin die unterschiedlichsten Arten von Masken, der Art und Weise sie zu tragen.

Und schon bin ich mittendrin im Mainstream.

Mit meinem Äußerem eine Meinung zu beeinflussen und mich ins rechte Licht zu stellen. Hoffte ich zumindest. Tja, auch wenn das Gesicht fast ganz bedeckt ist, hat man doch etwas zu sagen, möchte sich ausdrücken. Gerade in der Begleitung eines Schwerstkranken versuche ich alles so gut wie möglich zu machen.

Wenn ich die andere Menschen beobachte, dann denke ich schon, dass sich vieles an der Art und Weise wie eine Maske getragen ablesen lässt. In meiner Ausbildung zur Hospizhelferin habe ich nonverbale Kommunikation erlernt. Sehr oft kann sich mein Gegenüber nur schwer oder gar nicht mehr mitteilen. Es ist an mir, die kleinsten Hinweise zu erkennen und damit in eine ungewöhnliche Kommunikation zu starten. Ich wurde darauf geschult, auf Körperhaltung zu achten, die kleinsten Bewegungen wahrzunehmen und den winzigsten Wimpernschlag zu registrieren. Es gibt viel zu entdecken, auch wenn wir nur einem ganz kleinen Teil unsere Aufmerksamkeit schenken können.

Ich finde, es ist eine Chance, meine Mitmenschen genauer wahrzunehmen

Gut hinzusehen, beobachten und mich auf die wenigen Dinge, die ich zu sehen bekomme, zu konzentrieren.

Viele möchten anders sein, individuell und unterschiedlich.

Doch zeigt der Mund-Nasen-Schutz , dass wir alle gleich sind. Trotzdem möchten wir das nicht, und haben unsere eigenen Regeln wie wir unser Gesicht bedecken.

Ob wir uns nun für die geblümten, mit Straß verzierten oder medizinisch korrekten Masken entscheiden. Sie zeigen doch sehr viel, obwohl man nichts sieht.

Schauen Sie genauer hin…

… und schon sind Sie mittendrin, in der nonverbalen Kommunikation. Das kann sehr spannend sein.

Die Suche nach der richtigen Maske hat mich auf die unterschiedlichsten Gedanken kommen lassen und ein wenig war ich bei meinem ersten Besuch unsicher. Entschieden hatte mich zu guter Letzt für die Geblümte. Vermutlich hatte die Dame bei ihrem letzten Klinikaufenthalt mehr als genug medizinisch vermummte Gesichter gesehen.

Als wir uns begrüßten, rief sie mir schon von Weitem zu: „Was für eine hübsche Maske, aber die können sie ruhig abnehmen, ich sterbe ja sowieso die nächsten Tage!“

Das war definitiv keine nonverbale Kommunikation. Das war eine ganz klare Ansage. Und leider behielt sie recht …

Wer zuerst lacht, lacht am besten!
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Wir müssen mal darüber reden…

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Selbst wenn einige es nicht für möglich halten. Es wird weiterhin gestorben. Nicht nur in Corona Zeiten, nicht nur in den täglichen News. Auch nebenan, in unserer unmittelbaren Umgebung.

Ok, mir macht der Gedanke auch keinen Spaß, aber den Kopf in den Sand zu stecken, ist ja keine Lösung.

Meine aktuelle Begleitung, Herr Sommer, ist heute verstorben. Gestern ein sehr guter Freund von mir. Bei meinem Hospizeinsatz war es abzusehen, Owohl ich dachte, dass wir noch etwas mehr Zeit hätten. Mein lieber Freund verstarb absolut plötzlich und ohne Vorwarnung. Er ist einfach umgefallen und war sofort tot. Viel zu früh, viel zu unerwartet, viel zu jung.

Nicht nur die Art des Sterbens war in beiden Fällen unterschiedlich, auch der Umgang mit dem Thema Tod.

Einen Vorsprung, was die Gespräche über Bestattung und Trauerfeierlichkeit angeht, hatte eindeutig Herr Sommer. Diese Chance hatte die Familie meines Freundes nicht. Sie stehen nun völlig ratlos da und müssen innerhalb kürzester Zeit viele Entscheidungen fällen.

Tun Sie das Ihren Hinterbliebenen nicht an. Kümmern Sie sich um notwendige Papiere, sprechen mit Ihren Partnern und Kindern. Seien Sie mutig!

Ob Sie schon auf die Zielgerade einbiegen oder sich noch voll im Leben befinden, egal.

Es ist nur fair gegenüber Ihren Angehörigen. Damit haben Sie die Möglichkeit, lieben Menschen die schwierige Herausforderung abzunehmen, wie Ihre Beisetzung auszusehen hat. Denn die meisten sind damit überfordert.

Wenn Sie Ihren eigenen Tod ignorieren und nichts planen, dann lassen Sie Ihre Angehörigen mit diesen vielen Fragen allein. Ihre Hinterbliebenen haben es verdient, dass sie vernünftig trauern dürfen. Sie sollen nicht genötigt werden, über die Farbe Ihres letzten Hemdes zu entscheiden zu müssen.

Außerdem, wenn Sie selbst darüber bestimmen, wie die Dekoration Ihrer letzten Ruhestätte auszusehen hat, dann haben Sie die volle Kostenkontrolle. Ein Bestatter ist ein selbstständiger Geschäftsmann und Verkäufer, er plant Ihre Beisetzung nicht aus purer Nächstenliebe.

Mit verheulten Augen verschwimmt da schon mal der Blick auf die Realität und zack, sind da ein paar Euro mehr auf der Rechnung.

Der Blumenschmuck wird dann zu üppig, der Sarg aus kostspieligem Gehölz und die Ausstattung aus feinstem Zwirn mit schicken Applikationen. Livemusik zur Bestattung, ein ehrfürchtiges Grabdenkmal und der Leichenschmaus vom Feinkostladen lassen das Girokonto dann endgültig explodieren. Und Ihre Angehörigen, die zu verantwortlichen Hinterbliebenen wurden, tragen die kostspieligen Konsequenzen, beziehungsweise die Rechnung.

Bei einer anderen Begleitung erlebte ich akkurat diese Situation und war erstaunt, wie wenig manche Ehepaare miteinander sprechen, wenn es um den Tod geht.

Kurz nachdem Karin Spitzeder ihren letzten Atemzug gemacht hatte, bat mich ihr Mann zu bleiben. Einen Anruf später beim Bestatter, saß ich im Wohnzimmer des Hinterbliebenen und die Planung ging schnurstracks und ohne Umwege los. Auf der einen Seite der kopflose Ehemann, frischer Witwer, mit tränenden Augen und voller Trauer, auf der anderen Seite der geschäftstüchtige Berater, bewaffnet mit Sargbroschüren, Ausstattungskatalogen und einer antrainierten, monotonen Wortakrobatik, die ständig vermitteln sollte, wie betroffen er ist. Ich bin mir sicher, er hätte einen ganz passablen Schauspieler abgegeben. In einer Totengräber Daily Soap auf jeden Fall.

Die eben verstorbene Frau, beinahe noch lauwarm im Nebenzimmer, wurde jetzt verbal eingekleidet, zugedeckt und ihre letzte Ruhe geplant. Immer die Kalkulation im Blick, ob es ein hohes, mittleres oder kleineres Budget werden soll. Obwohl vollkommen klar war, dass die Frau zum Sterben nach Hause gekommen war und die Krankheit seit vielen Monaten das Ende ankündigte, hatten beide trotz vierzigjähriger Ehegemeinschaft nie miteinander gesprochen, wie die Beerdigung auszusehen hat.

Machen Sie es besser!

Tun Sie nicht so, als wären Sie unsterblich. Übernehmen Sie Verantwortung. Und wenn Sie nichts entscheiden möchten? Auch gut. Dann sagen Sie es Ihren Angehörigen. Reden Sie miteinander. Denn totschweigen ist keine gute Lösung.

Ein kleiner Trick, wie Sie „unsterblich“ werden…

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Sie möchten wissen, wie es geht, das ewige Leben? Das ist leichter, als Sie jetzt vielleicht denken.

Geben Sie keinem Ihrer künftig Hinterbliebenen den Zugang zu Ihren Passwörtern. Scheren Sie sich einen feuchten Kehricht um Ihren digitalen Nachlass. Dann wird sich, zumindest in der Social Media Welt, nichts ändern. Alles bleibt wie es ist. Urlaubsbilder, persönliche Texte, Meinungen zu einer aktuellen Situation. Ob Sie Grün, Rot oder Gelb gedacht haben. Alles ist für die ganze Welt, auch nachdem Sie das Zeitliche gesegnet haben, auf ewig zu lesen.

Die digitale Welt dreht sich ganz selbstverständlich nach Ihrem Tod weiter.

Es interessiert Herrn Zuckerberg nicht im Geringsten, ob Sie persönlich am PC sitzen oder mit dem schwarzen Kombi in der horizontalen Lage unterwegs sind. Wenn Sie gestorben sind, läuft Ihr Facebook-Account so oder so munter weiter.

Neulich hat mich Facebook daran erinnert, einem langjährig verstorbenen Freund, zum Geburtstag zu gratulieren. Von einer Jugendfreundin, die vor 5 Jahren mit dem Motorrad verunglückt ist, erhielt ich ein buntes, automatisch erstelltes Album unserer langjährigen Facebook-Freundschaft.

Als wäre nichts passiert, werden Erinnerungen oder Bilder gepostet, obwohl Sie schon lange die Blümchen von unten betrachten. Facebook hat da sein Eigenleben. Unabhängig davon, dass Sie bereits das Zeitliche gesegnet haben. Wenn keiner Bescheid gibt, geht das bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag.

Schon irgendwie ein gruseliger Gedanke, oder?

 Wenn Sie das von sich nicht möchten, dann schreiben Sie alles auf und legen Sie Ihre digitalen Geheimnisse zu Ihrem Testament oder an einen anderen, sicheren Platz. Denken Sie daran Ihre Passwörter an einem vertrauten Menschen weiterzugeben, oder aufzuschreiben. Das gilt selbstverständlich für alle Passwörter, die sich im Leben ansammeln. Ob eBay-Account, Online- Banking oder der Zugang zu Ihren Mails.

Finden, sollte man Ihre Unterlagen allerdings schon.

Wenn Sie Ihre geheimen Daten zu gut verstecken, geht es Ihnen vielleicht wie meinem Onkel. Nach dem Ableben meiner Tante hatte er überhaupt keinen Plan, wo die wichtigen Notizen und Papiere sind. Monate später wurden nicht nur wir in der Garage fündig. Einige Mäuse hatten sich ebenfalls daran zu schaffen gemacht und so manche wichtige Urkunde war zum Nestbau verwendet worden.

„Wenn ich gestorben bin, gebe ich einem Freund die Erlaubnis meinen Facebook-Status auf : „Am chillen mit Jesus zu setzen.“ – unbekannt –

„Kann man sich da was holen?“

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Wenn ich von meiner Aufgabe erzähle, haben viele ein verzerrtes Bild von der Art und Weise, wie Sterbende sich am Ende verhalten. Hin und wieder glaube ich, die Frage meines Gegenübers zu erkennen: „Kann man sich da Krankheiten holen?“ „Ist das nicht schrecklich, einen Sterbenden zu sehen? Schon gruselig, oder?“ Da sehe ich förmlich dunkle Bilder auflodern, vom Grauen des Todes. Stöhnende, jammernde  Menschen, weinende Angehörige…

Wenn ich daran denke, was ich mir früher so ausgemalt habe! Keine zehn Pferde hätten mich in ein Sterbezimmer hineinbekommen. Ich dachte, dass es ganz schrecklich sein muss. Mir wurde als kleines Mädchen immer erzählt, dass der Tod grausam und gemein ist und wir bis zuletzt kämpfen müssen. Eine Bekannte meiner Eltern erzählte mir, dass sich ihre sterbende Großtante angeblich die Zunge abgebissen und mit dem Teufel gekämpft hat. Heute bin ich mir sicher, dass es nicht so war, aber als Kind hast du da keine Wahl.

Zerrbilder spuken in den Köpfen der Leute herum, wie der Tod auszusehen hat.

Wohl auch deswegen, weil die wenigsten Menschen tatsächlich mit dem Tod in Berührung kommen wollen.

Da entwickeln viele ihre eigenen Bilder, manipuliert von der Filmwelt, in denen der Held mit schmerzverzerrtem Gesicht letzte Anweisungen gibt. Der Hauptdarsteller röchelt langsam vor sich hin, während seine große Liebe ihre Tränen auf sein geschminktes Gesicht tropft. „Du musst kämpfen, halte durch! Bleib bei mir!“ Ein letzter Blick zur Geliebten und sein Kopf  sackt zur Seite…

Bei Harry Potter wird der Todesfluch „Avada Kedavra!“ ausgesprochen, was übersetzt soviel heißt wie „Sache verschwinde!“ Oh, wie passend… Das berühmte Gaunerpärchen Bonnie und Clyde geht gemeinsam sehr spektakulär über den Jordan (was in der normalen Sterbeabfolge recht selten ist). Und James Bond? Na ja, der ist eh unsterblich.

Aber da liegt doch keiner so unspektaulär im Krankenbett.

In der Fiktion gibt es nur hopp oder top, Sterben oder Held. In der Realität ist das eher selten. Da führt kein Weg daran vorbei, am Ende landen viele von uns im Krankenhaus.                      

Wenn ich Besuche im Hospiz mache, höre ich nicht selten, dass die Zeit in diesem wohlbehüteten Haus als besonders und wertvoll erlebt wird.

      Ein Patient sagte mir kurz vor seinem Tod: „Meine Lebensqualität als Sterbender ist jetzt besser als mein Leben als gesunder, aber gestresster Manager. Ich kann jetzt im Augenblick leben.“

      Auch meine Mutter sagte damals beim Einzug in das Hospiz zu mir:

„Ich wusste überhaupt gar nicht, dass es so etwas gibt!“

Wenn wir mitten im täglichen Leben stehen, meinen viele, dass wir die unterschiedlichsten  Dinge  benötigen, um uns zu freuen. Reisen, Klamotten, teure Autos, Schmuck und vieles mehr. Mir geht es da nicht anders.  Das liegt in der Natur der Sache, dass wir mehr möchten als wir ohnehin schon haben. Wir sind ehrgeizig und neugierig. Hätten wir diesen Instinkt nicht, dann säßen wir heute noch als Steinzeitmenschen in der Höhle und würden das Feuer hüten.

      Ich wünsche mir Dinge oder hoffe auf besondere Ereignisse, damit meine Welt noch glücklicher wird. Und schon gar nicht möchte ich etwas verpassen. Wenn ich dann wieder auf der Hospizstation bin und sehe mit welchen Kleinigkeiten Patienten oft überglücklich sind, wird mir bewusst, dass es mit viel weniger geht.

Es sind die einfachen Dinge, die eine ganz besondere Bedeutung bekommen, der Toilettengang, das selbstständiges Essen oder das  eigenständige Aufstehen. Für mich selbstverständlich, für viele  Kranke nicht mehr möglich.

Da wird mir wieder bewusst, wie gut es mir geht. Da verliert der ganze andere Kram an Wertigkeit.

Jeder möchte lange leben,aber keiner will alt werden. -Jonathan Swift-

Hospizhelfer? Nö, danke!

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Ganz ehrlich? Es gibt Sterbebegleitungen, die gehen mir direkt an die Nieren. Dramatische Konstellationen, besonders schwierige Umstände, ob in der Pflege oder in der Familie. Oder es passt die Chemie zwischen mir und meinem Gegenüber nicht. Dann muss ich leider passen…

Bei Herrn Graf war es nicht so, trotzdem ist es für mich eine ganz besondere Begleitung geworden. Ich wurde anders gefordert als sonst. Nämlich gar nicht. So ganz nach dem Zitat von Karl Valentin: „Mögen täten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut.“

Ich war nicht unterfordert. Nein. Eher schlicht überflüssig.

Er ist ein sehr angenehmer Mensch und wir hatten bei meinem ersten Besuch keinerlei Schwierigkeiten uns auszutauschen. Trotz der Maske, die mir immer noch den direkten Weg zu meiner Begleitung erschwert. Ich habe auch den Trick noch nicht so raus, wie ich lächeln soll ohne, dass mir die Brille beschlägt. Aber selbst diese Hürde haben wir hervorragend gemeistert.

Schnell gab es ein gemeinsames Thema.

Herr Graf ist Aquarianer und auch ich habe ein Aquarium bei mir zu Hause im Wohnzimmer. „Frau Frey, wussten Sie, dass die Fische, die immer die Fensterscheiben putzen, außerhalb des Aquariums nicht funktionieren?“ scherzte er.

Er machte auf mich einen guten Eindruck, was seine körperliche Verfassung betraf und ich hoffte, dass ich ihn näher kennenlernen und begleiten durfte.

Aber es blieb nur bei diesem einem Besuch.

Wenige Tage später, als ich anrief, um einen neuen Termin zu vereinbaren, bekam ich eine liebevolle Absage.

„Frau Frey, ich kann Ihnen nur sagen, dass ich so wunderbar vom SAPV-Team versorgt werde, die Pflegekräfte sehr zuverlässig und freundlich sind und meine Kinder und Freunde kommen regelmäßig zu Besuch. Ich hatte zunächst Sorge, dass ich zu Hause meine Frau zu sehr beanspruchen würde. Das wir das alleine nicht schafften und ich nicht die notwendige Versorgung bekommen. Aber der Pflegedienst entlastet meine Hilde ausreichend und kommt immer sehr pünktlich. Dann dachte ich, dass sich meine Familie nicht an das Bett eines Sterbenden traut. Das habe ich bei meinem verstorbenen Freund so erlebt. Da hatten alle Hemmungen das Zimmer zu betreten, weil sie nicht wussten, wie man sich am Sterbebett verhalten sollte. Deswegen habe ich bei Ihren Hospizkreis angerufen, um niemanden zur Last zu fallen und mir Rat zu holen. Und ich hatte Angst, dass ich mit der ganzen Sterberei nicht zurechtkomme.“

Aber es kam ganz anders als erwartet.

„Ich danke Ihnen für Ihr Angebot, mich zu besuchen, aber ich denke, Ihre Hilfe und Fürsorge sollten Sie jemanden zukommen lassen, der es nötiger hat als ich. Es geht mir gut und ich werde einen guten Tod sterben.“

Wow, das ist wirklich großartig. Die medizinische Versorgung klappt, der Pflegedienst macht richtig gute Arbeit und die Familie und Freunde schaffen es, sich von Ihrem lieben Menschen gut zu verabschieden. Der Patient ist wohlbehütet, kann seinen letzten Weg mit Würde und in Frieden gehen.

So soll es sein. Das ist der Plan, und das Bestreben der Hospizbewegung. Und wir werden alles dafür tun, dass es noch vielen Menschen vergönnt ist, bis zu letzt gut versorgt zu sein. Ganz nach dem Spruch von Cicely Saunders…

Sterbende sind Lebende bis zuletzt.

„Zum Schluss nochmal kräftig die Arschbacken zusammenzwicken ?“

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Herrn Berger 91 Jahre, begleitete ich ambulant. Seine Frau war vor kurzem verstorben, und die Tochter pflegte ihn hingebungsvoll. Sie kümmerte sich rührend um ihren alten Herrn, der dem Ende bereits sehr nahe war.

Er wusste es. Sie wusste es.

“Wissen Sie, ich hatte ein gutes Leben, jetzt wird‘s Zeit. Ich bin so müde. Es ist schon in Ordnung, wenn ich bald zum Herrgott komme.“

     Sein Hausarzt, der ihn seit vielen Jahren behandelt hatte und seine körperliche Konstitution kannte, war allerdings dummerweise kurz vor dem herannahenden Tod seines Patienten verstorben.

Der Tod des Arztes sollte schlimme Folgen für ihn haben …

Ein junger Kollege übernahm den „Fall Berger“ und verschrieb ihm ein neues Medikament, um die bestehende Lungenentzündung in den Griff zu bekommen. Sicher hat er mit bestem ärztlichem Gewissen gehandelt, leider wusste er nicht, dass Herr Berger das Arzneimittel nicht vertrug. Die Tabletten verursachten bei ihm heftigen Durchfall.

     Der verstorbene langjährige Hausarzt hatte vor seinem eigenen Tod versäumt, einen entsprechenden Vermerk in den Patientenunterlagen einzutragen.  

Herr Berger quälte sich nun zusätzlich mit fürchterlichen Bauchschmerzen und Diarrhoe. Man kann sich sicher vorstellen, dass es für alle Beteiligten wahrlich kein Vergnügen war.

     Die Tochter wollte nur das Beste für Ihren Vater und erlaubte sich selbst nicht, das Medikament abzusetzen. Sie hoffte die Tabletten könnten das Schlimmste verhindern.

Jetzt wurde es ihm zu viel

Einen Tag später war noch immer keine Besserung in Sicht, als Herr Berger das Wort ergriff: „Sagen Sie mal, Herr Doktor, was bringen denn die Tabletten eigentlich? Mir tut schon der ganze Hintern weh?“

Der Arzt etwas zögerlich: „Vielleicht drei, vier Wochen länger.“

„Und dafür die ganze Sauerei?“

„Wenn Sie die Tabletten absetzen, dann wird die Lungenentzündung schlimmer und es könnte weniger Zeit für Sie bleiben.“

„Na, dann nehmen Sie die Tabletten aber schnell zurück. Geben Sie die mal jemanden, der noch die Arschbacken ordentlich zusammen zwicken kann. Auch wenn ich dadurch schneller beim Herrgott bin. Egal. Ich möchte nicht mit vollgeschissenen Hosen vor ihm stehen.“

„Wie ist die denn in Echt?“

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Ich bin wieder im Einsatz. Die allgemeinen Lockerungen erlauben es mir, dass ich ambulant begleiten darf und Hausbesuche wieder möglich sind. Für meine neue Begleitung bekomme ich die notwendigen Daten und Informationen von meiner Koordinatorin Sabine: „Frau Huber, 55 Jahre, keine Kinder. Die Chemo wurde abgebrochen, starke Übelkeit und Schwindel.“ „Was hat sie denn für einen Krebs?“ frage ich zurück. „Lungenkrebs“ antwortet Sabine und zündet sich genüsslich eine Zigarette an. Ja, auch wir Hospizhelfer haben unsere kleinen Schwächen.

Vorschriftsmäßig mit Mundschutz, Handschuhen und alles ordentlich desinfiziert stellte ich mich zum ersten Mal der Familie vor.

Doch es gab einige Hürden zu überwinden.

Nur mit ausschließlichem Augenkontakt und ohne jegliche Mimik ist es nicht so einfach, ein Gespräch mit einer schwerkranken Frau zu starten. Aber scheinbar empfand das nur ich so, denn kaum saß ich auf der Wohnzimmercouch, schon gingen die Fragen an mich los.

Frau Huber wollte alles wissen.

Wie geht das Sterben? Was kann man tun, um sich vorzubereiten? Wie lange wird es noch dauern? Welche Maßnahmen sind am Ende noch möglich? Und, und, und…

Ehrlich gesagt, ich fühlte mich etwas überfordert. Weder kannte ich die Frau, noch deren Mann, der neben ihr saß und die ganzen Fragen mithörte. Konnte ich die Dinge beim Namen nennen? Ist es eine gute Idee, die Beerdigung anzusprechen? Sollte ich Maßnahmen, die am Lebensende vielleicht noch möglich sind, erklären?

In kürzester Zeit musste ich mich entscheiden, inwieweit mein Gegenüber die Wahrheit verkraften konnte. Ich kannte die beiden ja erst wenige Minuten. Ob der Ehemann meine Offenheit verkraftet?

Dann fiel mir ein Satz ein, den ich irgendwo aufgeschnappt hatte

„Alles hat seine Zeit und seinen Platz. Für heute lassen Sie uns doch über das Reden, was ich momentan für sie tun kann. Die anderen Fragen können wir gerne später klären.“

„Das ist eine gute Idee! Da gäbe es schon etwas, was sie für mich tun können. Würden sie bitte kurz ihre Maske für mich abnehmen, damit ich ihr Gesicht sehen kann?“

Um die Anwesenden zu schützen, stelle ich mich kurz auf den Balkon und nahm meine Maske ab. Zu meiner Überraschung strahlte mich Frau Huber bis über beide Ohren an. Ihr Mann hielt sie fest umarmt und grinste ebenfalls. Warum reagierten die zwei derart belustigt über mein Gesicht? Ich hatte keine Ahnung. Vielleicht hatte ich noch etwas vom Mittagessen am Kinn? Oder färbt meine grüne selbst genähte Maske ab? Oh, wie peinlich. Ich ärgerte mich, dass ich vor dem Besuch keinen „Spiegelkontrollblick“ vorgenommen hatte, und gelobte mir selbst feierlich Verbesserung.

Jetzt wurde ich richtig unsicher …

Dann rief sie mir entzückt aus der Entfernung zu: „Ich kenne sie! Schon oft habe ich sie im Theater gesehen und ich habe in Ihren Stücken so viel gelacht. Sie haben mir immer so viel Freude gemacht. Und ich wollte immer schon mal wissen – wie ist denn eine Schauspielerin in Echt ?“

Sie stellte mir viele Fragen zu meinem Beruf, lachte, war gelöst und freute sich einfach, dass ich bei ihr im Wohnzimmer saß.

Es fühlte sich gut für mich an.

Nach den vielen Diskussionen um Systemrelevanz, um halb offene oder geschlossenen Theaterbetriebe, TV Produktionen mit Abstandsregelung, Konzerthallen die keine Zuhörerschaft haben. Jetzt der Beweis wie wichtig Kunst für Menschen ist. Wie oft das Publikum die Geschichten mit uns lebt, mit uns weint und vor allem auch mit uns lacht…

Und ich konnte einen kleinen Betrag dazu leisten. Wie schön.

„Ich habe heute leider kein Beatmungsgerät für dich“

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Jeden Tag eine Flut an neuen Informationen bezüglich des Covid 19 Virus. Ständig lese ich die verrücktesten Dinge, unterschiedliche Einschränkungen, Bestimmungen und Verbote. Auch bürokratische Dinge prasseln da auf mich hernieder, ob ich will oder nicht. Den wirklichen Durchblick habe ich da ehrlich gesagt nicht.

Und meine Patientenverfügung?

Was passiert eigentlich mit der Patientenverfügung, wenn ich mit diesem irrsinnigen Virus auf die Intensivstation komme? Wird die dort von den Ärzten berücksichtigt? Wenn ja, dann habe ich definitiv ein Problem. Nachdem ich verfügt habe, keine lebenserhaltende Maßnahme aus dem Arztkästchen zu zaubern, wenn es bei mir soweit kommen sollte, würde das bedeuten, dass ich bei Covid 19 nicht beatmet werde.

Hoppla, so war der Plan nicht gedacht!

Ohne Beatmung schafft man es im schlimmsten Falle nicht, den Virus zu überstehen.

Aber genauso, nämlich ohne lebensverlängerte Maßnahmen, ich habe meine „letzte Behandlung“ aufgeschrieben. Damals, von ein paar Wochen. Als die Welt noch ganz anders war, ohne Corona-Pandemie. Eine Zwickmühle … Was schreibt man denn da nur?

Ludger Bornewasser weiß Bescheid !

Lt. Ludger Bornewasser, Fachanwalt der Münchner Kanzlei „Advocatio“ werden in einer Covid-19 Erkrankung auch Patienten beatmet, die in der Patientenverfügung eine Beatmung abgelehnt haben. Das hat folgenden Grund: Allein aufgrund einer Covid-19-Erkrankung liegen die in der Patientenverfügung vorgegebenen Situationen, in welchen diese gilt nicht vor. Solange die Heilung eines Covid-19-Erkrankten möglich erscheint, wird dieser Patient auch beamtet werden. Die Durchführung der Beatmung erfolgt, wenn eine solche Beatmung zur Leidenslinderung notwendig oder sinnvoll ist.

Eine Patientenverfügung gilt immer nur in den der Verfügung festgelegten Situationen, welche allein durch eine Covid-19 Erkrankung nicht vorliegen. Es bedarf somit keiner Überprüfung der Patientenverfügung aufgrund der aktuellen Situation der Corona-Pandemie.

(Quelle: Münchner Merkur Nr. 83, Interview und Zusammenfassung: A. Eppner, B. Nazarewska)

Das bedeutet; nur wenn ich tatsächlich im sterben liege und für mich nichts mehr getan werden kann, dann werden die Maschinen abgestellt.

Ok, das passt dann wieder.

Ganz so einfach ist das mit der Patientenverfügung leider nicht. Ein Grund mehr, sie mal wieder aus der Schublade zu kramen und auf den neuesten Stand bringen.

Trotz allem hoffe ich, dass meine letzten Wünsche noch ganz lange unbeachtet bleiben. Einer davon macht mir aber heute schon Spaß. Bei meiner Einäscherung möchte ich eine Tüte Mais mit in den Sarg. Das wird ein Spektakel …

Die Königin ist tot. Lang lebe die Königin.

Lesezeit: 3 Minuten

So der Titel eines Films, der vergangene Woche als Quotenhit im Fernsehen zu sehen war. Es war der letzte TV Auftritt der wunderbaren Hannelore Elstner. Eine bemerkenswerte Frau mit außergewöhnlicher Ausstrahlung und Talent.

Im Hospiz begleitete ich eine Schauspielerin die mich sehr an die verstorbene Leinwandikone erinnert. Ihre ungewöhnliche Geschichte berührte meine Herz und fand einen Weg in mein Buch. Hier eine kleine Leseprobe:

„Wer den Tod fürchtet, lebt nicht!

Eine wahrhaftige Diva mit blonder Langhaarperücke, pinkfarbenem Nachtkleid, leuchtendem Schal und ebenso grell lackierten Fingernägeln. Meistens saß sie aufrecht im Bett. Umhüllt von einer dicken Wolke aus Parfüm, die den strengen Geruch ihres offenen Tumors überdecken sollte.

       Die vier erfolglosen Chemotherapien nahmen ihr zwar die Haare, aber nicht ihre Würde und die Freude am Leben. So gut es ging, versuchte sie noch daran teilzunehmen. Dicke Theaterbücher und andere Wälzer thronten in ihrem Regal und im Hintergrund trällerte der CD-Player kontinuierlich Operettenschlager.

   Leidenschaftlich erzählte sie von ihrem erfüllten Leben mit  glänzenden Augen und großen Gesten und ich spürte, wie sehr sie das Leben genossen hatte, aber auch wie sehr sie manches vermisste. „Mein Mann hat sich aus dem Staub gemacht. Aber was soll’s. C’est la vie! Eigentlich bin ich froh, dass er weg ist. Der hatte sowieso keinen Humor. Und ist ja schon so lang her. Da muss man nicht mehr heulen.“ Dabei lächelte sie mich an und wischte mit einer schnellen, verstohlenen Handbewegung eine Träne weg.

Ich bereue nichts, nur die Sünden die ich nicht begangen habe!

      Dann trug sie mir die verschiedensten Texte und Gedichte vor, gestikulierte wie wild mit den Armen, dass ich fürchtete, sie würde jeden Moment aus dem Bett fallen. „ Mädchen, ich hatte so viel Spaß im Leben! La dolce Vita! Das könnt ihr jungen Dinger gar nicht mehr so haben wie ich. Die ganze Welt hab ich gesehen. Was hatte ich für wunderbare Menschen um mich. Ich bereue nichts! Nur die Sünden, die ich nicht begangen habe.“ Darauf folgte ein ungestümes, raues, kehliges Lachen, das den ganzen Raum erzittern ließ.

Jetzt wollte sie den letzten Weg genau so gehen, wie sie es gewöhnt war. Im Rampenlicht. Mit großer Inszenierung und gehörigem Tamtam! Wir genossen ihre Geschichten, die sie unermüdlich zum Besten gab. Sie wollte auf gar keinen Fall sterben und fand, es sei mit 94 Jahren allemal eine Frechheit  und viel zu früh. Manchmal schimpfte sie mit Gott, dann  wieder rezitierte sie die Bibel, wie ein Bühnenstück. „Wäre der Tod nicht, es würde keiner das Leben schätzen, mein Liebchen, man hätte vielleicht nicht mal einen Namen dafür.“ Da hatte sie verdammt recht. „Dass alles einmal vergeht, weiß man schon in der Jugend. Aber wie schnell alles vergeht, das kapiert man erst im Alter. Es ist ein Jammer, aber auch gut so. Liebchen, stellen Sie sich nur mal vor, wenn das ewig so weiter geht. Lauter so alte Schachteln wie ich. Wäre bald kein Platz für Neues mehr. Das hat schon alles seinen Sinn, da muss man nicht meckern wie eine alte Ziege. Bringt doch nichts. Aber schön ist das Alter nicht. Und diese elenden Falten. Alleine das Wort –Krähenfüße– ! Was für eine Frechheit, wer hat sich das denn ausgedacht?“

      Schrille und bunte Gestalten gaben sich die Klinke in die Hand und sie begrüßte jeden mit ihrem gellenden Gelächter und einem feisten Spruch. So auch für ihre langjährige Freundin Maximiliane: „Liebchen, du hast ja zugenommen! Oder bist du jetzt in dem Alter, wo man ein paar Kilo mehr braucht, um die Haut zu straffen?“  „Na hör mal, was denkst du denn. Ich habe mich nur ein wenig weiterentwickelt!“ Ungestümes Lachen, herzliche Umarmung.

Sie hatte zum Sterben eingeladen.

        Gestorben ist sie so, wie sie es sich gewünscht hatte, umringt von Freunden, Hospizhelfern und Pflegepersonal, denn sie hatte „zum Sterben eingeladen“. Als sie merkte, dass es jetzt soweit war, ließ sie es uns alle wissen und drapierte sich dramatisch in ihr Bett. Dann schloss sie ihre Augen mit einem trotzigen „Ich bin dann mal tot“, machte noch einige tiefe rasselnde Atemzüge und hörte tatsächlich kurz darauf einfach auf zu leben. Einfach so! Unglaublich. Ein kleiner Verdacht keimte in mir auf. Ob sie sich gewünscht hätte, dass wir applaudieren? Aber das fand ich nun doch despektierlich.

Jetzt bloß nicht noch ’ne Horrorgeschichte!

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Sie haben keinen Bock mehr auf die ständigen schlechten Nachrichten? Ganz ehrlich, mir gehts auch so. In der jetzigen Zeit über den Tod schreiben? Wer will das den lesen? Werbung für ein Buch machen, dass sich mit Hospizgeschichten beschäftigt. Mit Patientenverfügung, Bestattungsvorsorge und Nachruf?

Ja, wir haben alle die Schnauze gehörig voll, vom Tod, vom Sterben, von den Schreckensbildern. Nachrichten, voller Hiobsbotschaften, Verbote, Einschränkungen. Er ist so verdammt nah und alltäglich fühlbarer geworden, der Tod. Fast jedes TV Programm hat eine Sondersendung, Bilder mit verzweifelten Menschen auf der ganzen Welt und Tote wo man nur hinsieht.

Es ist nur zu verständlich, wenn wir uns nach Ablenkung und Zerstreuung sehnen. Für unsere seelische Gesundheit ist ein gewisser Verdrängungsmechanismus unerlässlich.

Aber es gibt sie immer noch, die „ganz normalen Sterbefälle“. Ob krankheitsbedingt, dem Alter gemäß, oder plötzlich und unerwartet.

Gestorben wird immer

Mit Covid 19 habe ich, gottlob, keine Erfahrung, mit der Begleitung Sterbender und deren Angehörigen schon. Und da möchte ich mein Wissen weitergeben, meine Beobachtungen, meine Tipps. Gerade jetzt, in dieser besonderen Zeit, werden die „Normalfälle“ deutlich weniger wahrgenommen. Die Aufmerksamkeit ist nicht mehr bei den pflegenden Angehörigen, die oft jeden Tag, ein wenig mehr, Ihre Mama oder Papa an die Demenz verlieren. Die Schwerstkranken bekommen keine Besuche mehr von außen, die Hospizarbeit ist aktuell nicht mehr möglich. Die freiwilligen, helfenden Hände dürfen nicht mehr helfen. Auch meine Tätigkeit in der ambulanten Betreuung ist nicht möglich. Das Einzige, was ich tun kann, ist sie alle nicht zu vergessen. Vielleicht gelingt es mir, mit ein paar Zeilen, die richtigen Worte zu treffen.

Vielleicht kann ich etwas trösten und zeigen, dass ich weiterhin bei denjenigen bin, die es gerade nicht in die Schlagzeilen schaffen. Es wäre schön, wenn es mir gelingt mit meinen Erzählungen die zu berühren, die ähnliches erleben, oder sich darauf vorbereiten müssen einen geliebten Menschen zu verlieren.

Wenn es nur ein Einziger ist, dann hat sich der Aufwand schon gelohnt.