„Als wir uns vor 81 Jahren zum ersten Mal auf der Geburtsstation begegnet sind, lagen wir beide noch in den Windeln. Und jetzt … tragen wir wieder Windeln.“
Ein Ehepaar, das ich bei einer meiner Lesungen in einem Seniorenheim kennenlernen durfte. Es war einfach zu rührend, wie beide für einander da waren. Sie konnte nicht mehr so gut laufen, und er stützte sie liebevoll. Während meiner Lesung hielten sie Händchen, hörten aufmerksam zu, lachten an den richtigen Stellen und wollten danach unbedingt noch ein wenig mit mir plaudern.
Es war ein schönes Gespräch.
Sie erzählten viel von der Vergangenheit, sprachen aber auch sehr offen über den Tod: „Ich habe keine Angst vor dem Tod, denn der ist ja nur ein kurzer Moment. Dieser Moment dauert ja nicht lange, der tut mir nichts. Aber das Schwierige ist davor. Das Sterben dauert manchmal. Ach, dass kann dauern.“
Wie recht mein Gegenüber doch hatte!
Das erlebe ich leider öfter: Dass sich das Sterben hinzieht.
In meinen Einsätzen als Hospizhelferin begleite ich oft lange, denn der Sterbeprozess beginnt manchmal schon weit vor dem Tod. Und dieser Prozess ist für viele Angehörige nicht erkennbar. Die betagten Menschen essen immer weniger, werden immer müder und sind sozial nicht mehr an der Außenwelt interessiert. Das kann über sehr viele Monate gehen, und es bekommt fast keiner mit, dass sich die Person schon von dieser Welt verabschiedet hat.
Der Tod kommt schnell, das Sterben manchmal sehr langsam.
Sterben braucht Zeit, Vertrauen, Ehrlichkeit und Menschen die begeiten ohne zu fordern.
„Ich hoffe, dass ich nicht zu lange auf dich warten muss“, sagte mein Seniorenpaar einstimmig. Ihr gemeinsamer Wunsch ist, nicht allzu lange auf den anderen verzichten zu müssen. Und das wünsche ich den beiden auch …
Wir können uns nicht aussuchen, ob der Tod schnell kommt oder wir für das langsame Sterben bestimmt sind. Aber wir können uns jeden Tag aufs Neue für ein gutes Leben entscheiden. Ein Leben voller guter Gedanken, mit einem Blick auf das, was wir haben, und Dankbarkeit für das, was ist. Da fällt mir Karl Valentin ein, der sagte:
„Ich freu mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen viele positve Gedanken, Gelassenheit in dieser hektischen Welt und natürlich beste Gesundheit.
Alles Liebe
Ihre Petra Frey
P. S.: Wenn Sie Fragen haben oder es Themen gibt, über die Sie mehr wissen wollen, schreiben Sie mir gerne. Ich freue mich auf Ihre Zuschriften.


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