Sterbebegleitung mit 3-D Fernseher?

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Master in Todeswissenschaft? Ja, das gibt es tatsächlich bald an der Uni in Regensburg. Die Ausbildung reflektiert unter anderem, den eigenen Umgang mit dem Thema Tod und Sterben. Wie verhalte ich mich, wenn unangenehme Fragen kommen und was kann ich von Hospizhelfern und Trauerbegleitern lernen? Klasse Sache, finde ich, denn Hospizhelfer besitzen keineswegs nur die Lizenz zum Händchenhalten.

Was lernt man denn da?

In der Ausbildung lernen wir Gesprächsführung am Krankenbett, professionelle Distanz, Begleiten statt Führen, Umgang mit Konfliktsituationen um nur einige weinge Punkte des Aufbauseminars zu nennen.

Es ist gut, so ein „Handwerkszeug“ mit auf den Weg in die Begleitungen zu bekommen, aber es kann auch ganz anders kommen…

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.

Bei einer meiner ersten Begleitungen wollte ich sofort in die tiefen eines Gesprächs eintauchen, wollte ehrgeizig Erlerntes im wahrsten Sinne „an den Mann bringen“.

Herr Graf erwartete mich schon, als ich zu unserem ersten Treffen in seine Wohnung kam. Sofort bat er mich ins Wohnzimmer und stellte mir stolz seine neueste Errungenschaft vor. Ein 3-D Fernseher, dessen besondere Fähigkeit man nur mit einer äußerst unkleidsamen, abstrakten Brille genießen konnte. Kurze Zeit später fand ich mich vor dem Bildschirm mit der 3-D Brille auf der Nase wieder. Mit den dicken Gläsern im Gesicht, kam ich mir total bescheut vor. Dann startete der Film. Ein lustiges Zeichentrickabenteuer einer kleinen Schildkröte die allerlei Geschichten in der Tierwelt erlebte. Dabei sprachen wir fast kein Wort. Er schien aber seinen Spaß an der Sache zu haben denn jedes Mal, wenn ich ihn besuchen kam, glotzten wir gemeinsam das dreidimensionale Leben der kleinen Schildkröte. Ich kam mir dabei recht überflüssig vor, sagte aber nichts, sondern blieb brav an seiner Seite sitzen und lachte an den richtigen Stellen.

Ich sah den Film viermal und beim fünften Besuch öffnete mir seine Frau die Tür. Sie erzählte mir, dass er friedlich und sanft verstorben war.

„Mein Mann hat es sehr genossen, wenn sie bei ihm waren. Er schätzte es, dass sie sich die Zeit und Geduld für seinen Lieblingsfilm nahmen. Vielen Dank, Frau Frey!“

Auch so kann eine Sterbebegleitung sein…

Wer zuerst lacht, lacht am besten!
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