Mehr Zeit mit glücklich sein verplempern…

Als ich gestern wieder bei meiner lieben alten Dame war, durfte ich für mich erneut erkennen, warum ich dieses Ehrenamt mache.

Sie saß, wie fast immer, an ihrem kleinen Tischchen in der Küche die hoffnungslos vollgestellt ist mit allen möglichen Dingen. Es fällt ihr schwer loszulassen. Ob es jetzt die vielen wackelig aufgehängten Bilder an der Wand sind oder die längst nicht mehr benutzten Kinderbecher mit den bunten Disneyfiguren. Überall stapeln sich ungelesene Werbeprospekte, Zeitschriften und alte Briefkuvere. Dort steht ein vertrockneter Blumentopf im abgewetztem Keramik und hier liegt ein vergilbtes Deckchen mit Kaffeeflecken.

Wie immer quatschen wir über Gott und die Welt während sie Ihre vielen Tabletten, die vor ihr liegen, von einer Seite zur anderen schiebt. „Manchmal kann ich mich gar nicht entscheiden, welche ich zuerst nehmen soll. Die sind ja alle so bunt und welcher Farbe soll ich jetzt den Vorzug geben?“ Völlig unvermittelt stellt sie diese Frage in den Raum.

„Und genau das ist das Problem. Ich habe immer gezögert, mir immer nur die Misserfolge und das Scheitern vor Augen gehalten. Das ist doch doof, oder? Warum neigen wir dazu Erfolge als normal hinzunehmen, Scheitern hingegen als großes Drama. Ich hätte mehr Zeit mit glücklich sein verplempern sollen anstatt mich immer wieder zu fragen, was ich falsch gemacht habe.“

Auf meinem Nachhauseweg gingen mir diese Sätze noch lange durch den Kopf. Stimmt. Meistens beschäftige ich mich damit was alles nicht geklappt hat. Was nicht nach meinem Kopf gegangen ist oder was alles noch zu tun ist. Mein Gelingen bewerte ich als selbstverständlich und meine Fehler als Unvermögen.

Um meine liebe alte Dame zu zitieren: „ Das ist doch doof, oder?“

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