Das sagte einmal eine Mutter, die ich begleitet habe, zu ihrer erwachsenen Tochter. Ich bin nicht sicher, ob das ein guter Trost war, aber ganz falsch ist dieser Satz nicht.
Meine feste Überzeugung ist, dass wir alle die Möglichkeit bekommen, etwas auf dieser Welt zu hinterlassen.
Damit meine ich nicht unbedingt Geld oder Immobilien. Klar, wenn die Hinterbliebenen gut versorgt sind, beruhigt das. Was ich meine, sind Spuren in den Herzen der Menschen zu hinterlassen; gemeinsame Geschichten, die Besonderheiten, die jede und jeder von uns hat, und positive Emotionen, die länger halten als der schnöde Mammon.
Erst gestern war ich wieder auf einer Beerdigung, wo mir das so sehr bewusst geworden ist. Der Verstorbene, ein Musiker und sehr lebensfroher Mensch, hatte ein bewegtes Leben hinter sich. Ein Trauergast kam auf mich zu und sagte: “ Ach mei, es ist so schad das er jetzt nicht mehr da ist, aber er hat sein Leben sehr genossen. Und das ist doch das wichtigste, oder? Immerhin haben wir ihn und seine Lieder und seine Witzerl gehabt. Was für ein Geschenk!“
Ganz nach Konfuzius der sagte:
„Leuchtende Tage.
Nicht weinen, dass sie vorüber.
Lächeln, dass sie gewesen.“
Solange wir die Verstorbenen in unseren Erinnerungen und in unseren Herzen weitertragen, sind sie nicht vergessen, nicht weg. Bei dieser Trauerfeier ist mir noch einmal ganz deutlich geworden, worauf es im Leben ankommt: Erinnerungen zu schaffen, bei den Menschen, die einem nahe sind, aber auch bei denen, die wir oft gar nicht so bewusst wahrnehmen. Und ich glaube, man tut gut daran, nicht zu unterschätzen, wie oft wir mit unserem Tun und Handeln auf andere einwirken.
Wenn ich auf Lesungen bin, kommen danach oft Besucher auf mich zu und sprechen mich direkt an. Sie sagen dann zum Beispiel: „Danke, dass Sie mir heute so einen schönen Abend bereitet haben.“ Oder: „Es ist so schön, dass es Sie gibt, denn Sie helfen mir dabei, meine Angst vor dem Tod zu verlieren.“ Wenn ich so ein Feedback bekomme, bin ich meist sprachlos, denn das ist für mich ein ganz besonderes Lob.
Da weiß ich wieder, warum ich dieses Ehrenamt mache; es bestätigt meine Entscheidung, mit diesem schwierigen Thema an die Öffentlichkeit zu gehen.
Wenn der Abend vorbei ist, das Bühnenbild wieder eingepackt und ich auf dem Heimweg bin, habe ich viel Zeit zum Nachdenken. Oft liegen drei bis vier Stunden Autofahrt vor mir. Diese Zeit nutze ich ganz bewusst, um den Abend noch einmal zu verarbeiten, all die Eindrücke und Begegnungen, die mich oft nachhaltig beeindrucken.
Und dann kommt mir immer wieder der Spruch von der Seniorin in den Sinn:
„Wenn ich gestorben bin, dann bin ich nicht weg, sondern nur gestorben.“
Im besten Fall habe ich dann viele gute Erinnerungen bei anderen geschaffen, die mich lebendig halten und vielleicht sogar andere trösten. Das ist doch ein schönes Ziel, finde ich. Aber mal ganz unter uns: Ich habe noch so viel zu erzählen und so viele Ideen – da lasse ich mir noch ein bisserl Zeit, bevor ich nur noch in der Erinnerung weiterlebe.
In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal. Vielleicht sehen wir uns ja bei einer meiner Lesungen oder im Theater? Alle Termine – ob Lesungen, Live-Hörspiel oder Theaterproduktionen – finden Sie auf meiner Schauspielerhomepage
https://petraauer.de/aktuelles.php
Herzlichst
Ihre Petra Frey/ Auer


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