Am Ende des Jahres schaut man gerne zurück, bewertet und hofft darauf, dass es im neuen Jahr vielleicht anders, besser wird. Manche wünschen sich, dass es so bleibt wie es ist und es keine großen Veränderungen gibt.
In meinen Begleitungen erlebe ich dieses Zurückschauen auf ganz unterschiedliche Weise und vor allem ohne die Aussicht darauf, dass es im nächsten Jahr besser wird. Im Vergleich zu den üblichen Neujahreswünschen gibt es da einfache Ansprüche.
Ein kaltes Glas Milch, etwas Obst oder ein letztes Mal den Schnee erleben.
Als sehr aktiver Mensch ist es für mich in den Begleitungen eine große Herausforderung, so zu handeln, wie es die Situation erlaubt – nicht übergriffig zu werden oder hektisch das Ruder zu übernehmen. Ich verschenke meine Zeit und versuche, ganz bei meinem Gegenüber zu sein. Das ist eine sehr gute Übung für mich: Stille genießen, zuhören, die Welt des Anderen bewusst wahrzunehmen. Es ist ein Vorteil, von dem ich in meiner Hospizarbeit profitieren darf. Ich konzentriere mich auf eine Sache, bin gezwungen langsamer zu werden und merke oft, wie gut mir das tut. Aber natürlich gelingt mir das nicht immer
Letztes Jahr begleitete ich an den Weihnachtsfeiertagen eine sehr alte Dame, die ich sehr ins Herz geschlossen hatte. Ich war schon viele Monate bei ihr und es entstand eine kleine Freundschaft. Privat und beruflich war ich sehr eingespannt und ein Termin jagte den anderen. Bei ihr angekommen, plauderte ich drauflos, erzählte von meinen vielen Aufgaben, berichtete von meinen Theateraufführungen und was sonst noch alles zu tun war.
Darauf sagte sie nur lapidar: „Leben eben.“ Ein langer Blick zu mir und ich verstand sie sofort. Bei ihr war es anders. Ruhiger. Keine Hetze mehr. Kein Auftrag ans Leben.
Am Ende des Lebens wird es ruhiger.
„Leben eben.“ Nur anders …
Wenn ich in den Begleitungen bin, dann wird mir oft sehr schnell bewusst, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, noch planen zu dürfen. Es ist ein Geschenk, wenn wir denken, dass wir ja noch Zeit haben. Auch ich vergesse manchmal, dass es auch ganz anders sein kann. So ist das Leben eben. Und das ist auch in Ordnung so.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie weiterhin Pläne und Visionen haben und gute Vorsätze fassen – unabhängig davon, ob sie am Ende umgesetzt werden
Denn so ist es nun mal im „Leben eben“. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Schreiben Sie mir gerne in den Kommentar, wie Sie Ihre Feiertage verbringen, was Sie sich vorgenommen haben oder einfach nur welche Themen für Sie noch interessant sein könnten.
Ich freue mich auf Sie!


Schreibe einen Kommentar